Dass die Orte und Landschaften unter Realitätsschwund leiden, ist eine Binsenweisheit. Die Orte transformieren sich nicht; sie werden ihrer Anschlüsse beraubt und als Raumsplitter zurückgelassen. So entsteht eine Art Realitätsvakuum. Das Versprengte verliert seine Wahrnehmungsfähigkeit und Sprache, seine Gravitation und Orientierung. Dieses Vakuum saugt katastrophische Ereignisse an. Entgrenztheit ist offenbar kein Zustand von Dauer. Sie beschwört Kurzschlüsse und Rückstürze und Zündungen unbekannter, sprachloser Art herauf, und die verwandelnde Wiederkehr des Alten. Davon berichtet dieses Buch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2008
Gustav Falke setzt sich in seiner Buchkritik mit Frank Böckelmanns Untersuchung der "Ortlosigkeit des modernen Subjekts" auseinander und versucht dessen etwas "unscharf fokussierten" Einwende gegen Multikulturalismus, Entgrenzung, Globalisierung und Sex im Internet nachzuvollziehen. Des "kulturkritischen Pessimismus" könne man den Autor und ehemaligen Spontaneisten schon deshalb nicht bezichtigen, als dass er noch in seinen apokalyptischsten Szenarien einen Aspekt zur Rettung des Abendlandes erkennt, und ganz konform mit der antiken Bedeutung des Wortes, die "Katastrophe" als alles verändernde Wende begrüßt, so der Rezensent. Böckelmanns verschwörungstheoretische Mutmaßung, "internationales Finanzkapital" versuche, durch ein Vorantreiben einer Mitgliedschaft der Türkei Europa zu zerstören, findet der Rezensent zwar etwas merkwürdig. Die Vorstellung aber, dass Europa sich in der Abwehr islamischer Expansion enger zusammenschließen könnte, hat für Falke etwas durchaus Plausibles.
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