Martin Mosebach

Häresie der Formlosigkeit

Die römische Liturgie und ihr Feind
Cover: Häresie der Formlosigkeit
Karolinger Verlag, Wien 2002
ISBN 9783854181026
Broschiert, 157 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Zu den unbesiegbaren Legenden des vergangenen Jahrhunderts gehört die Behauptung, das Zweite Vatikanische Konzil habe die überlieferte römische Liturgie abgeschafft. Dabei kann sich der in der Geschichte einzigartige liturgische Traditionsbruch der nachkonziliären Ära auf das Konzil eben gerade nicht berufen. Dort war nur eine "behutsame Durchsicht" der liturgischen Bücher gefordert worden, keineswegs aber der tatsächlich praktizierte Übergang von "einer gewachsenen zu einer gemachten Liturgie" (Kardinal Ratzinger). Martin Mosebach hat der untergegangenen römischen Liturgie und der von Papst Paul VI. in einem autokratischen Akt gegen den Rat vieler Bischöfe geschaffenen neuen Liturgie eine Reihe von Betrachtungen gewidmet, die er zum Teil auch als Reden gehalten hat. Seine Verteidigung der römischen Liturgie nach der Katastrophe der "Reform" lebt aus der Einsicht der Irreversibilität historischer Prozesse, aber auch aus der unvernünftigen Hoffnung, das letzte Wort über den alten Ritus sei noch nicht gesprochen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2007

Fasziniert zeigt sich Rezensent Jochen Hörisch von Martin Mosebachs Apologie des alten römischen Messritus. Nicht, dass er immer einer Meinung mit dem Ästheten und Katholiken Mosebach wäre. Aber auch die Passagen, die ihn zum Widerspruch reizen, findet er brillant. Zwar kann er einiges anfangen mit der zentralen These Mosebachs, nur der klassischen, durch die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils abgeschafften alten lateinischen Messe finde das Wunder der Fleischwerdung des Logos seine angemessene, überzeugende Form. Aber er wirft dann doch die tiefenpsychologisch inspirierte Frage auf, welche destruktiven Kräfte durch den strengen Ritus abgewehrt werden. So sieht er durch die alten liturgischen Hochrituale die Möglichkeit verstellt, die Eucharistie "wirklich ernst zu nehmen", das heißt "dankbar zu akzeptieren, dass der ewige Logos zeitliches Fleisch geworden ist". Zurückhaltend betrachtet er ferner Modebachs fundamentale Kritik am Ungeist von 1968.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2003

Martin Mosebach, lobt der Rezensent Jan-Heiner Tück, erinnert in seinen Essays daran, worauf es ankommt beim Ritual der christlichen Liturgie: das gemeinschaftliche Gebet zu Gott. Auf dieser Basis kritisiere Mosebach die neuzeitlichen Verflachungen des katholischen Gottesdienstes im Anschluss an das zweite Vatikanum unter Papst Paul VI. und fordere eine Rückkehr zum klassischen lateinischen Ritus. Das ist illusionär, meint Tück, stimmt ihm aber grundsätzlich zu: Die Reform des Kultes habe zu einem "Bruch zwischen Form und Gehalt" geführt: Ohne leiblichen Ausdruck - etwa dem Knien oder der Hinwendung zu Gott - könne auch nicht der Ausdruck des Glaubens gelingen. Mosebach habe auch Recht, wenn er den "Appell an subjektive Emotionen in der pastoralen Rhetorik" angreife und daran erinnere, dass "Liturgie feiern heißt, den Alltag hinter sich zu lassen und in die Zeit des anderen, des ganz Anderen, einzutreten". Man müsse allerdings, so Tück, auch zwischen den damaligen päpstlichen Entschlüssen und ihrer tatsächlichen Umsetzung in den Gemeinden unterscheiden. Mosebachs Idealisierung der klassischen Form sei jedenfalls ebenso fragwürdig. Seine Kritik der Reform könnte jedoch wertvolle Anregungen zu ihrer notwendigen Revision liefern.

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