Aus dem Englischen von Hans-Jürgen Balmes. Die Fotografie hat immer einen besonderen Stellenwert in John Bergers Werk gehabt. Dieser Band versammelt zum ersten Mal seine Aufsätze zur Fotografie, von den sechziger Jahren bis heute: eine kleine Kunstgeschichte der Sichtbarkeit. Ob er über das Werk großer Fotografen (August Sander, Paul Strand, Henri Cartier-Bresson u.a.) schreibt, ob er den politischen Gebrauch der Fotomontage analysiert oder das Foto des toten Che Guevara mit einem Gemälde Rembrandts vergleicht, er tut es mit den Augen des Malers und des Schriftstellers. Der Augenblick der Fotografie, der einem einzigartigen Moment Sinn verleiht, ermöglicht für Berger "eine andere Art zu erzählen" und einen kritischen Blick auf die Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.01.2017
Nico Bleutge holt sich Trost bei John Berger. Wenn der kürzlich verstorbene Schriftsteller und Maler in seinen hier versammelten Essays über Fotografie nachdenkt, über die Erscheinungen der Wirklichkeit als Offenbarungen und Sehen und Erinnerung, spürt Bleutge in den Texten ein großes Verlangen nach Sinn. Kritisch betrachtet fehlt diesen Überlegungen das Bewusstsein für die Brüchigkeit von Erinnerungen, meint Bleutge. Das ändert aber nichts an der Freude des Rezensenten beim Lesen der Gedanken dieses "leidenschaftlichen Augenmenschen".
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