Der erste Europa-Band der "Neuen Fischer Weltgeschichte" widmet sich der frühen Neuzeit (ca. 1500-1800). Reformation und Konfessionalisierung, Kriege und Aufklärung veränderten bis zur Französischen Revolution grundlegend das Verhältnis von Individuum, Glauben und Gesellschaft. Die damit einhergehende Transformation des von christlichen Fürsten dominierten Europa zu einem Europa souveräner Staaten steht im Mittelpunkt der Darstellung des Neuzeithistorikers Robert von Friedeburg.
Micha Brumlik begrüßt ausgesprochen freudig diese Neuauflage der legendären Fischer Weltgeschichte, deren schwarze Taschenbücher ihm einst für Studium und Leben so viel Orientierung gaben. Mit leichtem Bedauern nimmt er den deutlich gestiegenen Preis zur Kenntnis, auch bedauert er bei der Auswahl der Autoren mitunter eine fehlende Weltläufigkeit. Mit schillerndem Beispiel voran geht allerdings der Band "Südasien", in dem der britische Historiker David Arnold ein wahres "Glanzstück" der Geschichtsschreibung vorgelegt hat. Deutlich wurde Brumlik hier zum Beispiel, wie statisch unser Bild fälschlicherweise von Indien mit Buddhismus, Hinduismus und Kastensystem ist und wie ausgeleiert der Kolonialismus-Begriff, der im Übrigen den historischen Begebenheiten in ihrer Vielschichtigkeit nicht gerecht wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2012
Nicht wirklich erwärmen kann sich Rezensent Urs Hafner für diese Geschichte Europas in der frühen Neuzeit von Robert von Friedeburg, die im Rahmen von der auf 21 Bände angelegten Neuen Fischer-Weltgeschichte erschienen ist. Die schwerpunktmäßig auf die Politikgeschichte setzende Überblicksdarstellung des Autors vermag ihn nicht zu fesseln. Alltags- und kulturgeschichtliche Aspekte findet er in dem Werk kaum. Für seinen Geschmack handelt Friedeburg eine zu große Fülle von Stoff auf zu wenig Raum zu gedrängt ab. Dabei wirkt die Darstellung auf Hafner häufig etwas "hölzern", "schwer verständlich" und "vage formuliert".
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