An den Beispielen der Opern- und Konzertsäle in Berlin, London und Wien im 19. Jahrhundert erzählt Sven Oliver Müller, wie soziale Beziehungen und Netzwerke, wie die gesellschaftliche Realität der Metropolen überhaupt durch Teilnahme an musikalischen Aufführungen geprägt, ja, sogar erst geschaffen wurde. Die musikalischen Events, Zentren der städtischen Öffentlichkeit, sind bedeutsame Ressourcen, um soziale, politische und wirtschaftliche Positionen zu erreichen, soziale Netzwerke zu knüpfen und Machtstrukturen zu bilden. So betritt das Buch Neuland in der Geschichtsforschung. Seine Chance besteht darin, Geschichte und Musik zusammenzuführen und dem historisch wie musikalisch gleichermaßen interessierten Publikum eine überraschende, sinnfällige Anschauung zu liefern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2015
Jan Brachmann hat seine Einwände gegen Sven Oliver Müllers Buch über das Musikleben in Berlin, London und Wien im 19. Jahrhundert. Nichts gegen Müllers Hypothesen über sich wandelndes Publikumsverhalten oder Musik als treibende Karft von Vergesellschaftungsprozessen, meint Brachmann, doch neu, wie der Autor behauptet, ist das alles nicht. Auch wenn Müller dergleichen detailreicher, unterhaltsamer und aus anderen Blickwinkeln erzählt als bekannte Sammeldarstellungen von Georg Knepler und Carl Dahlhaus, meint Brachmann, empirisch-konkrete Daten liefert er nur selten. Dass einschlägige Arbeiten zur Musiksoziologie in Müllers Literaturverzeichnis nicht einmal auftauchen, scheint dem Rezensenten außerdem fragwürdig.
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