Aus dem Englischen von Udo Rennert. Unser Blick sieht und inszeniert eine Menschenähnlichkeit der Tiere, die unvollkommen bleibt und uns darin des Unterschieds zwischen Mensch und Tier versichert. De Waals anekdotisches Buch zeigt die fundamentale Bedeutung, die dieser Unterschied für unser Selbstverständnis hat. Gleichzeitig löst er ihn auf, denn auch Tiere besitzen die Fähigkeit zu lernen und Gelerntes weiterzugeben. Wie "anders" können wir sein, wenn auch die Tiere ihre Kulturen entwickeln und verändern?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2003
Frans de Waal ist Primatologe, stellt uns Regine Rachow den Autor vor, der sich mit "einfühlsamen Porträts von Primatengesellschaften" einen Namen gemacht hat. In seinem Buch geht es nun nicht mehr um die Frage, inwiefern Tiere überhaupt bewusst handeln, sondern ob es sich in ihrem Fall um "kulturelles Verhalten" handelt. Eine Frage, die vom Autor aus tiefstem Herzen und eigener Anschauung bejaht wird, wie Rachow verrät. Um die Leser davon zu überzeugen, schildert er seine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen und plaudert aus der Literatur. Das alles sei sehr unterhaltsam, da der Autor, wie Rachow bemerkt, das Anekdotische nicht scheut. Rachows Kritik setzt an einem anderen Punkt an. Unbestritten sei eine gewisse Kulturfähigkeit etwa der Schimpansen, schreibt die Rezensentin und zweifelt zugleich an, dass damit die Grenze zwischen Tier und Mensch bereits gefallen ist. De Waals Kulturbegriff ist Rachow viel zu eng gefasst, zu "monistisch" gedacht. Erst bei den Unterschieden wird es doch interessant, behauptet sie. Im übrigen erscheint ihr de Waals Ansinnen, die "heiklen" Fragen ad acta zu legen, als zu bequem. "Denkfaulheit aus antimetaphysischem Affekt", meint Rachow dazu.
Tiere und Kultur? In den Köpfen von Menschen ist dies eine gemeinhin widersprüchliche Konstellation. Der Forscher Frans de Waal probiert sich an einer neuen Sichtweise dieser scheinbaren Dichotomie und betrachtet Kultur als einen Bestandteil der Natur sowohl von Menschen als auch Tieren, schreibt Rezensent Sebastian Linke. Waal wehre sich vehement gegen die weitverbreitete Unterscheidung zwischen Natur und Kultur "als fatales Erbe unserer westlich-christlichen Denkschule". Die einleuchtende Darstellung seiner Forschungsergebnisse anhand "unzähliger, teils autobiografischer Beispiele" gelingt de Waal "meisterhaft", lobt der Rezensent. Schließlich schöpfe der renommierte Verhaltensforscher aus dem reichen Erfahrungstopf von dreißig Jahren Affenforschung.
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