Aus dem Finnischen und mit einem Glossar von Reetta Karjalainen und Anu Katariina Lindemann Mit einem Nachwort von Thomas E. Brunnsteiner. Im Herbst des Jahres 1857 wird Jussi-Toivola als Sohn armer Bauern in einer Zeit geboren, die von großen Umbrüchen gezeichnet ist. Finnland ist bestrebt, sich von der jahrhundertelangen Fremdherrschaft - zuerst durch Schweden und dann durch Russland - zu befreien. In seiner Heimat, wo Jussi aufwächst und später als Landarbeiter und Kleinpächter in einer Hütte mit Frau und zahlreichen Kindern sein Leben zu bestreiten versucht, erschweren Hunger und Armut sein Dasein. Als dann 1918 der Bürgerkrieg ausbricht, findet sich Jussi inmitten der Auseinandersetzungen des Krieges wieder. Frans Eemil Sillanpää, als bisher einziger Finne wurde er 1939 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, betrachtet Jussis Schicksal mit anteilnehmender Zugeneigtheit, ohne zu verklären, ohne zu viele Worte zu verlieren. So entsteht das Bild eines Menschen im Einklang mit der Natur, mit "Gleichgewicht in seinen Gedanken", der den historischen Umwälzungen letztlich zum Opfer fällt. Und doch überstrahlt die Beschreibung des Lebens von Jussi-Toivola all das Elend und die aufreibenden Konflikte. Es leuchtet, aufgehoben in der Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.10.2014
Vier Romane stellt Sylvia Staude vor, die sich mit den drei großen Kriegen im Finnland des 20. Jahrhunderts beschäftigen: Der finnische Bürgerkrieg zwischen Roten und Weißen 1918, der äußerst brutal geführt wurde und das kleine Land fast zerriss, der Winterkrieg 39/40 gegen die Russen, und der Zweite Weltkrieg, in dem die Finnen die Nazis unterstützten, um die Russen aus ihrem Land zu vertreiben. Frans Eemil Sillanpääs "Frommes Elend" erzählt vom Bürgerkrieg. Der Roman erschien bereits ein Jahr später, 1919. Jussi, ein einfältiger, armer Landjunge, gerät mitten hinein in die blutigen Auseinandersetzungen, die Sillanpää mit solch bitterer Lakonie schildert, dass es der Rezensentin "noch heute in die Knochen fährt". Großes Lob an den Guggolz Verlag, der die zensierten Stellen (sie galten wohl als zu brutal) wieder eingefügt hat.
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