Aus dem Nachlass herausgegeben von Jeremy Adler. Franz Baermann Steiner gehört zu den letzten großen Dichtern der Prager deutschen Literatur. Sein Frühwerk ist im 2. Weltkrieg verschollen, doch blieb seine umfangreiche, im englischen Exil geschaffene Lyrik vollständig erhalten. Dieses vielgliedrige, anspruchsvolle Oeuvre enthällt eine Fülle von `exemplarischen Gedichten`, die in einer `Sprache der Dringlichkeit`, Stimmungen, Beobachtungen, Menschen und Szenen mit wortmächtiger Präzision beschwören. Zu Lebzeiten schon von Dichtern wie Benn und Bobrowski geschätzt, gelangte Steiners Werk nach seinem frühen Tod kaum an die weitere Öffentlichkeit. Lediglich als Wissenschaftler - er wurde in England zu einem führenden Sozialanthropologen - erlangte er einen bedeutenden Ruf. Erst in letzter Zeit kamen auch seine Dichtungen erneut in die Diskussion. Die Ausgabe enthält die rund 350 Gedichte - viele davon bisher unveröffentlicht -, die Steiner selbst für eine Gesamtausgabe vorsah. Ausgewählte Dokumente zur Wirkungsgeschichte und ein Nachwort des Herausgebers erleichtern den Zugang zu diesem spannungsgeladenen, bedeutsamen Werk.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.12.2000
Hartmut Binder führt die Leser zunächst behutsam an die Person des Dichters heran, über den hierzulande kaum jemand etwas weiß: Franz Baermann Steiner gehörte Ende der 20er Jahre zur "Freien Gruppe Prag", einem versprengten Trupp deutschsprachiger linker Literaten, fast alles Schriftstellersöhne. Er studierte später semitische Sprachen, ging nach England und wurde ein angesehener Anthropologe und Ethnologe in Oxford, wo er, wie uns Binder aufklärt, 1952 starb. Dieser geistige Hintergrund, vor allem seine Beschäftigung mit der jüdischen Kultur, floss auch in seine Lyrikproduktion ein, die er laut Binder immer nebenbei betrieb. Veröffentlicht wurden zu Steiners Lebzeiten nur 40 Gedichte, etwa dreihundert befinden sich nun im vorliegenden Band, die Binder "besonders in den jüdisch geprägten Teilen" für einen wichtigen und eigenständigen Beitrag zur zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur hält. Hinweise auf religiöse Quellen fänden sich in den Anmerkungen, so Binder, der bedauert, dass jedoch viele andere, beispielsweise geografische Bezüge, unkommentiert bleiben.
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