"Metamorphosen" enthält 72 Gedichtzeilen (Verse in vierhebigen Jamben), die auf nahezu unbegrenzte Weise kombiniert werden können, nach Regeln, die der Autor der Zeilen (nicht identisch mit den AutorInnen der künftigen Gedichte!) in einem beigelegten Heft angibt. So wird das Erzeugen von Gedichten zu einem kniffligen, intelligenten und vergnüglichen Gesellschaftsspiel, das nach strengen Themen- und Motivvorgaben gespielt wird. Umfassend, informativ und kurzweilig weist Czernins Begleittext zur "kleinen Kosmologie" darauf hin, dass der Umgang mit Worten (ob dichterisch oder alltagssprachlich) nach Regeln erfolgt und dass die sprachliche Erzeugung von Sinn nicht willkürlich abläuft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2012
Eigentlich hat sich Wulf Segebrecht sehr gern auf das literarische Spiel von Franz Josef Czernins "Metamorphosen" eingelassen und das Buch bereitwillig in die vorgesehenen Textstreifen zerlegt. 72 Verszeilen, die man den vorperforierten Seiten entreißt, soll der Leser nämlich selbst zu kaum auszuschöpfenden Gedichtvariationen zusammensetzen, wie uns der Rezensent erklärt. Auch für das Vorwort, in dem "kluge" Anmerkungen zum Zusammenhang von Metamorphose, Evolution und Poesie gemacht werden, findet Segebrecht anerkennende Worte. Allerdings sieht er seiner Gestaltungskraft hier allzu enge Grenzen gesetzt, weil ihm nur vier Reime und lediglich ein einziges Metrum zur Verfügung gestellt werden und ihm damit schnell ein wenig langweilig wird. Also alles in allem reizvoll, aber ausbaubar, wie der Rezensent wohl meint.
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