Herausgegeben und kommentiert von Horst Lauinger. Mit einem Nachwort von Daniela Strigl. Irma von Buchow zählt zu den "Feiertagskindern", die das Leben nur als ästhetische Inszenierung ertragen können. Ihrem Mann, Baron Ulrich von Buchow, ist eine solche Haltung fremd; er findet seine Erfüllung in der Arbeit, die der Familie die Existenz sichert. Als ein Schicksalsschlag Irmas kleine Welt erschüttert, bricht der Konflikt offen aus. In seinem letzten Roman erzählt Keyserling von Liebe und Eifersucht, von innerer Leere und der Sehnsucht nach einem anderen Leben, von Illusionen und vom Scheitern einer Ehe.
Christoph Schröder liest die späte Prosa von Eduard von Keyserling mit stürmischer Begeisterung. Sowohl die Romane "Wellen" und "Abendliche Häuser" als auch die titelgebende Erzählung zeigen den Autor laut Schröder als technischen Virtuosen und sprachlichen Maler. Das Thema der Unentrinnbarkeit des eigenen Schicksals, die Konfrontation unterschiedlicher Liebesbegriffe und Generationenkonflikte behandelt Keyserling leitmotivisch "durchkomponiert" und exakt in Dialogen und Details, staunt Schröder. Stimmungen, Psychologien und ganze Biografien entwirft Keyserling mit einem Handstreich, so der Rezensent. Ein ganz und gar gegenwärtiger Autor, findet er.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.10.2019
Rezensentin Edelgard Abenstein freut sich, dass das Interesse an Eduard von Keyserling nach seinem hundertsten Todestag noch nicht abgeflaut ist. Mit Vergnügen liest sie nun, ein Jahr nach Erscheinen der "Landpartien", den gewissenhaft kommentierten Band "Feiertagskinder". Immer wieder, so Abenstein, wird Keyerserling Nostalgie unterstellt. Und tatsächlich ist "Feiertagskinder" voller melancholisch leuchtender Bilder einer untergegangenen Zeit. Trotzdem hält sie den Vorwurf für unberechtigt, denn diese Melancholie sei nur eine Facette von vielen. Keyserling beweise hier nicht nur seine Sympathie für jene, die sich zu Gunsten des Neuen vom Alten und Überkommenen trennen, sondern er führe auch vor, wie distanziert und zugleich einfühlsam er seine Zeit analysieren konnte: Die Figur des betrogenen Ehemanns verzichtet auf die erwartete Rache, überwindet so das ihm aufgestülpte Rollenmuster und überlässt sich ganz seiner tränenreichen Trauer. Die Rezensentin leidet mit.
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