Aus dem Schwedischen von Paul Berf. 1921 malte ein dänischer Künstler in Südfrankreich die Kusinen Hanna und Lillan Adler. Auf der Spur des Gemäldes und seines Schöpfers Anton Dich, "einzigartig abwesend in allem, was Kunstgeschichte heißt", findet Sjöberg einen ganzen Schatz an nie erzählten, miteinander verwobenen Geschichten, die fröhlich oder nachdenklich, aber immer klüger machen. Über die unabhängigen Frauen der Familie Adler, Anton Dichs Freundschaft mit Modigliani, die Würgefeigen in Bordighera, einen Karton voller Briefe und den Kater Kanabriel, der eines Tages verschwand. Aber, so schreibt Sjöberg, "ich wundere mich schon lange nicht mehr. Der Zufall, dieser zerstreute Hallodri, ist des Sammlers bester Freund".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.08.2022
Rezensentin Sophie Wennerscheid folgt in "Mama ist verrückt und Papa ist betrunken" erneut dem "gewundenen Spiel der Schnörkelschreiberei" von Fredrik Sjöberg. Der stets großartige Geschichten sammelnde schwedische Autor betrachtet darin den Lebensweg des unbekannten dänischen Künstlers Anton Dich und nimmt dafür sein Gemälde als Ausgangspunkt, das zwei Mädchen darstellt - die Cousinen Hanna Gottowt und Eva "Lillian" Arosenius, letztere auch bekannt als das am häufigsten abgebildete Kind innerhalb der schwedischen Kunstgeschichte, erklärt Wennerscheid. Man lernt leider nicht viel über Dich, aber die Familiengeschichte der zwei abgebildeten Mädchen findet die Rezensentin interessant und schön plastisch erzählt. Bei mehrfachem Lesen setzt sich das Buch zu einem "Stück Kunst- und Lebensgeschichte" zusammen, das zudem kongenial von Paul Berf ins Deutsche übersetzt wurde, wie sie schließt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.06.2022
Rezensent Carsten Hueck ist beglückt von dem assoziativen "Reigen", auf den Frederik Sjöberg ihn mitnimmt. In gewohnt "verspielter" Art begebe sich der schwedische Journalist Sjöberg auf die Spuren des vergessenen dänischen Malers Anton Dich, der 1935 mit nur 45 Jahren verstarb. Dabei lässt sich der Autor wieder ganz von seinen Assoziationen leiten, staunt Hueck, die er lose aneinanderknüpft: So geht es von Dichs Biografie zur Familiengeschichte zweier Mädchen auf einem seiner Gemälde, zu persönlichen Erinnerungen des Autors an seine Briefmarkensammlung oder einen Angelausflug, zu Reflexionen über das eigene Schreiben und wieder zurück - das findet der Kritiker "erfrischend salopp", dabei aber "immer kenntnisreich". Ein Buch voller Zufälle, das am Ende doch einen Sinn ergibt und den Leser "mitreißt", lobt Hueck.
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