Rüdiger Görner stellt in seiner Biografie den Gesamtkünstler Oskar Kokoschka in all seiner faszinierenden und widersprüchlichen Vielschichtigkeit dar. Dramen, Briefe und Essays zeugen auch von den bedeutenden schriftstellerischen Qualitäten dieses großen Malers. Die Musik war zentral für seine Arbeit. Und als Pädagoge begründete Kokoschka 1953 schließlich die "Schule des Sehens". Oskar Kokoschka erreichte trotz schwerer Verletzungen im Ersten Weltkrieg ein biblisches Alter. Görner zeichnet Kokoschkas Weg vom Bürgerschreck und Hungerkünstler zum wohlhabenden Weltbürger und Jahrhundertkünstler ganz nah an dessen Werk nach, denn Kokoschkas Leben erzählt man, in dem man sein Werk erzählt - und umgekehrt.
Dirk Schümer begegnet dem Menschen Kokoschka in Rüdiger Görners Biografie. Dass der Malerfürst trotz einiger Verirrungen immer auf der richtigen Seite kämpfte, weiß Schümer spätestens seit er bei Görner über Kokoschkas politisches und menschliches Engagement lesen durfte. Als würdiger Repäsentant eines kaputten Jahrhunderts erscheint dem Rezensenten Kokoschka in Görners berauschter, bewundernder, das Werk in der abendländischen Tradition verortender, rhapsodisch schildernder Lebens- und Wirkensgeschichte. Über Kokoschkas hier verbürgten Frauen- und Whiskykonsum kann Schümer nur staunen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2018
Katharina Rudolph rät dazu, Rüdiger Görners Biografie über Oskar Kokoschka zusammen mit einigen anderen Büchern über den Künstler zu lesen, mit einem Werkband zum Beispiel. Nur so erschließe sich, was der Autor in seinem Buch bietet. Laut Rudolph ist das vor allem der Versuch, Kokoschka von der frühen Berührung mit dem Pädagogen Johann Amos Comenius und dessen Einsatz für Menschlichkeit her zu verstehen. Kokoschkas politische Seite und sein humanistisches Ideal kann Görner der Rezensentin sodann anhand von Beispielen belegen. Leicht zu lesen ist das aber nicht, warnt Rudolph. So stören sie Görners Satzgirlanden doch erheblich, und oft fühlt sie sich vom Autor mit dessen Gelehrtheit alleingelassen.
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