Friedrich Kellner

Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne

Tagebücher 1939-1945
Cover: Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne
Wallstein Verlag, Göttingen 2011
ISBN 9783835306363
Gebunden, 1200 Seiten, 59,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Sascha Feuchert, Robert Kellner, Erwin Leibfried, Jörg Riecke und Markus Roth. Der Laubacher Justizinspektor Friedrich Kellner wollte der Nachwelt ein Zeugnis ablegen von der gedankenlosen Unterwürfigkeit seiner Zeitgenossen und den hohlen nationalsozialistischen Propagandaphrasen. Von 1939 bis 1945 schrieb er beinahe täglich seine Kritik am NS-Regime nieder und dokumentierte die vielen kleinen und großen Verbrechen der NS-Diktatur. Diese Tagebücher zeigen, dass jeder in der Lage gewesen wäre, die nationalsozialistische Rhetorik zu entlarven und von den Gräueltaten des "Dritten Reiches" zu wissen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2012

Die eine oder andere Gespreiztheit erschwert zwar ein wenig die Lektüre dieser Besprechung, aber am Ende hat der Historiker Hans-Erich Volkmann doch sehr klar gemacht, warum er Friedrich Kellners Tagebücher so faszinierend findet. Der hessische Justizinspektor war ein engagierter Sozialdemokrat und führte sein Tagebuch, um die Übeltaten der Nazis in allen Einzelheiten festzuhalten. Er hoffte, dass sie dafür eines Tages zur Rechenschaft gezogen würden. Für den Rezensenten belegen diese Notizen zum einen, wie sehr auch in der Provinz Nationalsozialismus und Antisemitismus den Durchschnittsbürger beherrschten. Zum anderen zeigte sie ihm, wie genau die Leute Bescheid wussten: Für Kellner war es kein Geheimnis, was sich in deutschen Gerichten, in den vermeintlichen "Heilanstalten" oder im Osten Europas abspielte. Dass die Nachkriegsgesellschaft so hartnäckig leugnen konnte, vom Holocaust gewusst zu haben, erscheint dem Rezensenten umso ungeheuerlicher.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.09.2011

In den Tagebüchern des Gerichtsbeamten und Sozialdemokraten Friedrich Kellner sieht Rudolf Walther einen weiteren Beweis dafür, dass die Deutschen vom Holocaust mehr hätten wissen können, als viele später zugeben wollten. Bis zum Kriegsende füllte Kellner zehn Hefte mit Kommentaren, Notizen und Zeitungsausschnitten, reiste durch Europa und sammelte Berichte über Massenerschießungen an der Ostfront und das Euthanasie-Programm in der psychiatrischen Anstalt Hadamar. Rezensent Walther sieht den Autor nicht nur als einen akribischer Beobachter seiner Zeit, der die NS-Propaganda durchschaute. Vor allem wird aus seinen Aufzeichnungen deutlich, dass viele seiner Mitmenschen das eigene Gerechtigkeitsbewusstsein verlassen hatte. Kellner selbst war sich schon damals über die historische Tragweite seiner Beobachtung im Klaren, meint Walther.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.06.2011

Helmut Lölhöffel preist die Tagebücher Friedrich Kellners, die die Zeit des Zweiten Weltkriegs von Anfang bis Ende dokumentieren, als Glücksfund und editorischen Segen. Der hessische Justizinspektor hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Verbrechen der Nationalsozialisten und die propagandistischen Verfälschungen akribisch festzuhalten, und dafür eigene Eindrücke, Gehörtes und einschlägige Zeitungsartikel gesammelt und analysiert. Schon die Entdeckung und jetzt erst realisierte Publikation der zehn Rechnungsbücher, die die Zeit in einer geheimen Schreibtischschublade überdauert haben und erst vor wenigen Jahren vollständig gefunden wurden, beschreibt der Rezensent als Wunder. Neben den sorgfältigen Anmerkungen der Herausgeber hat ihn auch das Vorwort des Enkels Robert Kellners, der sich die Veröffentlichung der Tagebücher zur "Lebensaufgabe" gemacht hat, sehr beeindruckt.
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