Gottfried Benn, Gertrud Zenzes

Gottfried Benn, Gertrud Zenzes: Briefwechsel 1921-1956

Cover: Gottfried Benn, Gertrud Zenzes: Briefwechsel 1921-1956
Wallstein Verlag, Göttingen 2021
ISBN 9783835339651
Gebunden, 488 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Holger Hof und Stephan Kraft. Facettenreich zwischen Liebesbriefen und Gottfried Benns politischer Rechtfertigung 1933. Für weniger als ein Jahr waren Gottfried Benn und sie ein Liebespaar. Die aus einer jüdischen Familie stammende Gertrud Zenzes blieb ihm dennoch bis ans Lebensende freundschaftlich verbunden. Sie hatte noch im Kaiserreich studiert und als eine der ersten Frauen in Deutschland promoviert. Gertrud Zenzes war eine typische moderne Frau dieser Zeit. Sie war berufstätig und erotisch unabhängig.Besonders aufschlussreich ist die Korrespondenz kurz nach der Machtergreifung durch die Nazis, weil Benn sich gegenüber der Freundin erklärt, die bereits seit 1928 in den USA lebte. Nach Kriegsende versorgte sie Benn mit Carepaketen. Insgesamt liegen 156, teils recht umfangreiche Schreiben vor, wobei die Briefe von Gertrud Zenzes (mit zwei Ausnahmen) erst aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg überliefert sind.Holger Hof und Stephan Kraft legen eine weitere wichtige Korrespondenz Gottfried Benns vor. Neben den Briefen enthält der Band einen ausführlichen Kommentar und ein biografisches Nachwort von Stephan Kraft zu Benns Korrespondenzpartnerin, von deren Leben bislang nur wenig bekannt war.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.05.2022

"Von unschätzbarem Wert" sei der Briefwechsel zwischen Gottfried Benn und seiner kurzzeitigen Geliebten und langzeitigen Freundin Gertrud Zenzes, schwärmt Rezensent Jörg Magenau. Bis ins letzte Detail kommentiere diese Ausgabe jene Briefe, die auch seltene Momente bezeugen, in denen der Schriftsteller seine distanzierte Zurückhaltung ablegt, zum Beispiel, wenn er von der tiefen Trauer über den Suizid seiner Geliebten, Lily Breda, schreibt, bemerkt der Rezensent. Besonders beeindruckt ihn das Nachwort Stephan Krafts, der die Biografie Gertrud Zenzes ausführlich rekonstruiert und sie als "selbstbewusste, moderne" Frau porträtiert, die für damalige Zeiten eine ungewöhnliche akademische Laufbahn durchschritt und weitestgehend auf sich allein gestellt blieb, als sie ihrem Mann in die USA folgte. Trotz der Strapazen in ihrem eigenen Leben, brachte sie über Jahre hinweg die Zeit auf, ihren Freund mit Zuwendungen jeglicher Art zu unterstützen, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 07.01.2022

Rezensent Helmut Böttiger erkennt Benns Charisma wie auch seine Monomanie wieder im Briefwechsel zwischen dem Dichter und der Ökonomin Gertrud Zenzes. Besonders scheint ihm die von Holger Hof und Stephan Kraft herausgegebene Korrespondenz schon wegen ihres Umfangs und ihrer vergleichsweise langen Dauer, die von Ende 1921 bis nach 1945 reicht. Sichtbar wird neben Benns Unnahbarkeit für Böttiger auch ein kulturgeschichtliches Detail: Als Benn sich zu den Nazis bekennt, widerspricht ihm die einer jüdischen Familie entstammende Zenze vehement.

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