Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. Ein heikler Balanceakt zwischen zwei Welten: Der Rausch von Gewalt inmitten der Betontürme im Norden Londons, nebenher ein Literaturstudium. Ein Leben, das unweigerlich die Frage nach Gut und Böse aufwirft. Gabriel Krauze schreibt mit ungeschönter Ehrlichkeit von seiner früheren Existenz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2021
Rezensent Marco Stahlhut kann sich den Hymnen seiner britischen Kollegen über dieses Debüt nicht anschließen. In keinem Punkt. Schon beim ersten Raubüberfall, bei dem einer reichen Londonerin der Finger gebrochen und der Arm zertrümmert wird, dreht sich dem Kritiker der Magen um. Nicht minder brutal geht es weiter, wenn Krauze seinen in der Brutalismus-Siedlung South Kilburn lebenden Ich-Erzähler namens Gabriel durch den Tag begleitet: Kiffen, vögeln, brutale Überfälle und Prügeleien stehen auf dem Programm, bis jener endlich im Knast landet, resümiert der Rezensent. Britische Medien nannten das Buch "autofiktional", Stahlhut vermutet hinter der Geschichte aber doch eher die Autobiografie des Autors: Denn der Erzähler der auf Spannung und einen roten Faden gänzlich verzichtenden Geschichte teile mit dem Autor sämtliche Lebensdaten: Kind gut situierter polnischer Migranten, Klavierausbildung auf einer Privatschule, Luxusurlaube, Langeweile. Bei dieser Vita hält es Stahlhut dann auch schlicht für Quatsch, wenn die britische Kritik betont, das Buch breche "die Hegemonie der Mittelschicht in der Literatur" auf. Gelegentliche Fehler in der Übersetzung von Werner Löcher-Lawrence tragen nicht unbedingt zum Lesevergnügen des Kritikers bei.
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