Gabriele Rohloff

`Ich weiß mich frei von irgendeiner Schuld...`

Die Entnazifizierung der Richter und Staatsanwälte am Beispiel des Sondergerichts Bremen
Cover: `Ich weiß mich frei von irgendeiner Schuld...`
PD-Verlag, Heidenau 1999
ISBN 9783930737932
Broschiert, 188 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Gabriele Rohloff, selbst Assessor iur., beschreibt vor dem Hintergrund des Sondergerichts Bremen zwölf Juristenkarrieren, die nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes nahtlos fortgesetzt werden konnten. Die Autorin stellt dar, wie sich die Justiz nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes wieder etablierte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2001

In einer Doppelrezension bespricht Friedrich-Christian Schroeder zwei Bücher, die sich mit Rechtssprechung im Nationalsozialismus bzw. Entnazifizierung befassen.
1.) Frank Roeser: "Das Sondergericht Essen 1942-1945" (Nomos)
Geteilter Meinung zeigt sich der Rezensent zu diesem Buch. Einerseits findet er es durchaus aufschlussreich, dass Roeser aufzeigt, wie gerade das Sondergericht in Essen in zahlreichen Urteilen "häufig nicht den Ermittlungen der Polizei folgte" und so manche Anweisungen zur Urteilsfindung "mit deutlicher zeitlicher Verzögerung eingeführt wurden", wofür der Autor den Präsidenten des Oberlandesgerichts Hamm mitverantwortlich macht. Darüber hinaus weiß es Schroeder durchaus zu schätzen, dass der Autor eine genaue Auflistung der Urteile und Strafvorschriften vornimmt. Allerdings widerspreche sich Roeser beispielsweise dort, wo er eine besonders harte Verurteilung von Ausländern diagnostiziert, obwohl sich sämtliche Todesurteile in Prozessen wegen Plünderei gegen deutsche Staatsangehörige richteten. Auch die Darstellung von "erschütternden Einzelfällen" lobt der Rezensent, doch moniert er, dass Roeser über "weitgehend deskriptive Einzelfälle" kaum hinaus geht. Davon abgesehen findet der Rezensent die Tatsache bedauerlich, dass der Autor kaum Vergleiche mit anderen Sondergerichten anstellt.
2.) Gabriele Rohloff: "Ich weiß mich frei von irgendeiner Schuld..." (PD-Verlag
Der Rezensent weiß hier zwar das "aufwendige Aktenstudium" der Autorin sehr zu schätzen und hat bei der Lektüre auch so manch überraschende Erkenntnis gewonnen, etwa bei dem Aspekt, welch große Rolle bei der Entnazifizierung die Mitgliedschaft in der NSDAP spielte und wie wenig andererseits die "Beteiligung an Unrechtsurteilen" berücksichtigt wurde. Doch macht Schroeder auch einige Ungereimtheiten in diesem Buch aus. So moniere die Autorin, dass am Bremer Sondergericht bei zahlreichen Todesurteilen das "Strafmaß voll ausgeschöpft" worden sei, andererseits sei jedoch die Todesstrafe bei Plünderungen "zwingend" gewesen, so Schroeder. Überhaupt kritisiert der Rezensent die Vorgehensweise der Autorin als häufig "unpräzise". So sei etwa das Zitat im Titel des Buchs unvollständig und suggeriere einen völlig falschen Zusammenhang, was Schroeder dem Leser auch näher erläutert.
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