Das Geschenk
Roman

Paul Zsolnay Verlag, Wien 2025
ISBN
9783552075740
Gebunden, 144 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing. Ein Roman über die unausweichlichen globalen Fragen aus europäischer Perspektive. Elefanten mitten in der Großstadt, und es werden immer mehr. Was geht hier vor? Rasch muss der Bundeskanzler erkennen, dass die Tiere nicht aus dem Zoo entkommen, sondern ein Geschenk des Präsidenten von Botswana sind. 20 000 Elefanten hat er nach Deutschland geschickt, nachdem die deutsche Regierung ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen beschlossen und damit den armen Regionen Botswanas die Lebensgrundlage entzogen hat.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.08.2025
Rezensentin Manuela Reichart empfiehlt Gaea Schoeters Romansatire über eine "Elefantenflut" in Berlin und die Lösungen der Politik im Hinblick auf ein eher unwillkommenes Geschenk aus Botswana. Dass die Tiere sinnbildlich für geflüchtete Menschen stehen könnten, diesen Hinweis liefert Reichart in ihrer Besprechung gleich mit. Amüsant, dann wieder erschreckend, aber stets politisch klug findet sie Schoeters Text, in dem hastig ein Elefantenministerium gebildet wird, weil die Dickhäuter naturgemäß allerhand anstellen in der Hauptstadt. Welche Rolle der Kanzler und seine Vorgängerin dabei spielen, darüber und über deutsche Politik schreibt die Autorin kenntnisreich und klar, findet Reichart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.08.2025
Gaea Schoeters kommt der Rezensentin Judith von Sternburg auch in ihrem zweiten Roman vor wie eine "Alleskönnerin": Dieses Buch nimmt sich ein so absurdes wie einfaches Szenario zur Prämisse, in dem Botswana 20 000 Elefanten nach Deutschland schickt, weil sie ansonsten das Land verwüsten würden - und als Retourkutsche für ein in Deutschland erlassenen Trophäeneinfuhrverbot. Schoeters beleuchtet die politische Ebene des ganzes zwischen dem fiktiven, aber realistischen Bundeskanzler Hans Christian Winkler und dem ebenso fiktiv-realistischen rechten Widersacher Holger Fuchs ebenso wie die Mentalität der Deutschen, die durchaus was für niedliche Elefantenbabies übrig haben, so Sternburg. Dass es dann schnell eine Elefantenministerin gibt und die Ausscheidungen der Tiere als Düngemittel dienen, sind nur einige der Ereignisse, die die Autorin hier rasant und gekonnt mit "diebischem Vergnügen" verwebt, wie die Kritikerin zufrieden resümiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2025
Das Vergnügen am Fabulieren, mit dem Gaea Schoeters ihre zwischen Satire und Dystopie schillernde Geschichte geschrieben hat, spricht für Rezensent Paul Jandl aus jeder Zeile des Romans. Deutschland wird darin von einer Elefantenplage heimgesucht: Die Dickhäuter sind plötzlich überall und sorgen für Chaos, aber auch für politische Verwerfungen. Geschickt hat die Tiere der Staatschef von Botswana, ein Geschenk, das Kanzler Hans Christian Winkler zur Verzweiflung bringt, wie Jandl resümiert. Es gibt dann aber auch politische Lösungsstrategien in dieser Geschichte, die durch und durch Satire ist, wie Jandl betont: Elefantenquoten für die einzelnen Bundesländer werden festgelegt - die rechtspopulistische Opposition verkündet derweil, der Elefant gehöre zu Deutschland. Am Ende wird es dann vollends dystopisch, verrät der Kritiker, dem gefällt, dass Schoeters außerdem witziges "zoologisches Kollateralwissen" in den Roman einbaut. Plumpe Analogien mit heutigen Migrationsdebatten sieht Jandl hier nicht, dafür viel Freude an abstrusen Einfällen, die manchmal gar nicht soweit von der Realität entfernt sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2025
Es ist ein ziemliches Paradox: Gaea Schoeters Roman "Die Trophäe" wurde von den deutschen Medien fast glatt übersehen, gelesen hatte ihn offenbar dennoch jeder, staunt Rezensent Andreas Platthaus. Kein Wunder also, dass der Nachfolger nun nur ein Jahr später gleichzeitig auf Deutsch und Flämisch erscheint. Zunächst lässt sich der Kritiker auch gern von der schmalen satirischen Geschichte um eine große Lieferung von Elefanten aus Botswana nach Deutschland unterhalten. Wie Schoeters die der Meldung des vergangenen Jahres, das Bundesumweltschutzministerium erwäge ein Einfuhrverbot für Jagdtrophäen, "märchenhaft" überspitzt, findet Platthaus durchaus beachtlich. Aber wo "Die Trophäe" durch Boshaftigkeit überzeugt, gerät dem Kritiker der Nachfolger doch etwas zu "moralinsauer".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.07.2025
Gerne begibt sich Rezensent Gustav Seibt in das hochpolitische Gedankenspiel, das die belgische Autorin Gaea Schoeters entwirft: Nachdem die Einfuhr von Jagdtrophäen durch Großwildjagd nach Deutschland verboten wird, leidet Botswana unter einem Elefantenüberschuss und schickt kurzerhand 20 000 dieser Tiere nach Deutschland, wo sie eine politische Krise auslösen. Ziemlich absurd und damit eigentlich sehr realistisch, wie Seibt meint, wird geschildert, wie die Tiere Probleme zwischen Emotionalisierungen und föderalem Hin und Her offenlegen und dann auch noch eine hochinvasive Kletterpflanze ins Land bringen. Dass Stimmungsmache gegen Elefanten den Rechten am Ende nichts bringt, ist für Seibt nur eine der vielen Pointen dieses Romans. Der Kritiker empfiehlt, dieses "knackig-kleine Gedankenspiel" gemeinsam mit Schoeters ebenfalls gelungenem Debüt aus dem letzten Jahr zu lesen.