Aus dem Chinesischen von Natascha Vittinghoff. Kindheitserinnerungen, das Glück der Liebe und der Freundschaft, das alte China, aber auch die Tragödie politischer Verfolgung stehen im Mittelpunkt der Erzählungen. Der Nobelpreisträger Gao Xingjian spiegelt die Realität nicht einfach wider, sondern ertastet im Schreiben Träume, Gerüche, Landschaften und Gedanken. So entstehen vor unseren Augen Erzählungen, in denen jedes Wort wahr klingt, wir tauchen ein in eine andere Welt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2009
In den 80er Jahren entstandene Erzählungen des späteren Literaturnobelpreisträgers Gao Xingjian, die auf verschiedene Weise die Kulturrevolution und ihre Folgen reflektieren, stellt Rezensent Steffen Gnam vor. Er sieht die Ästhetik Gaos sowohl von Zen-Mystik als auch von Motiven des absurden Theaters des Westens beeinflusst. Und angesichts der verqueren Logik der Kulturrevolution bedeute das Absurde weniger eine Abkehr von der Realität, sondern erweise sich als ihr vielleicht angemessener Ausdruck. Gnam geht in seiner sehr dichten Rezension auf einzelne der auch autobiografisch motivierten Erzählungen ein und findet dort Fluchten vom Primat der Ideologie in Spurensuchen nach der Kindheit oder in der Suche nach einer von Rhetorik unberührten Sprache, eine Selbstanklage im Konflikt kommunistischen und konfuzianischen Denkens und offenbar wiederholt das Leitmotiv scheiternder Wiederbegegnungen früherer Freunde oder Geliebter, die die Gegenwart immer auch als "Echokammer der Kulturrevolution" erscheinen lasse. Gnam beschreibt die Poetik Gaos mit ihrer Uneindeutigkeit wechselnder Erzählperspektiven als eine sich "ohne Ismen" vorantastende "kalte Literatur".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2008
Sehr differenziert versucht sich Ludger Lütkehaus den Erzählungen des chinesischen Literaturnobelpreisträgers Gao Xinggjian zu nähern. Zunächst erscheinen ihm Gaos "dekonstruktivistische Etüden" als formalistisches, leeres Spiel mit den Avantgardismen etwa eines Queneau. Bei intensiverem Hinsehen aber stellt Lütkehaus fest, welches sozialkritische Potenzial in der "entleerten verselbständigten Form" steckt. Oder in der Multiperspektivik der Erzählformen, mit der dieser Band aufwartet. Dahinter erkennt Lütkehaus einen "Relativismus aller Wahrheiten", der sich mit Gaos "Poetik der Ehrlichkeit" zu einem tieferen Realismus verbindet.
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