Johanna Spyri ist heute vor allem als Autorin des Welt-Bestsellers «Heidi» bekannt. Wer aber war die Frau, die neben den beiden Heidi-Büchern noch fast fünfzig weitere Erzählungen veröffentlichte und damit zu Lebzeiten großen Erfolg hatte? Über ihr Leben ist wenig bekannt, und sie selbst hat nur ungern Auskunft über sich gegeben. So bildeten sich bald einmal Mythen um die Gestalt Johanna Spyris, die sie im Lichte ihrer Erzählungen als erwachsenes Heidi verklärten oder als Reaktionärin verteufelten. Erst in jüngster Zeit haben Forscherinnen und Forscher den Zugang zu neuen Quellen erarbeitet und nach den Lebensumständen und Lebensentwürfen der Autorin gefragt. Das Buch enthält zahlreiche Illustrationen und eine Bibliographie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2001
Christina Thurner ist sehr angetan von der Biografie, die Georg Escher und Marie-Louise Strauss über Johanna Spyri verfasst haben. Anders als in älteren Biografien, die die Autorin kurzerhand mit ihren Romanpersonen identifiziert und zu vielerlei Mythenbildung beigetragen hätten, sei hier ein differenziertes und an Quellen genau überprüfbares Porträt geschrieben worden. Dazu bezögen die Verfasser die neuere historische Forschung, die das Leben Spyris in den bürgerlichen Kontext des 19. Jahrhunderts stellten, mit ein und arbeiteten ihr soziopolitisches Umfeld in ihrem Heimatdorf und in Zürich detailliert heraus. Daneben untersuchen die Biografen, so die Rezensentin, die unterschiedliche schriftstellerische Wirkung der Autorin - von ihren 31 Büchern ist heute nur noch "Heidi" bekannt - und ihre weitgehende Resonanzlosigkeit in der Literaturgeschichtsschreibung und -wissenschaft. Demnach ein gelungener (und überfälliger) Beitrag zum diesjährigen Spyri-Jubiläum.
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