Georg Klein

Anrufung des blinden Fisches

Erzählungen
Cover: Anrufung des blinden Fisches
Alexander Fest Verlag, Berlin 1999
ISBN 9783828600874
gebunden, 197 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Die Menschen in Georg Kleins Erzählungen haben eines gemeinsam: ob sie ihr Leben im "Untergrund" führen, in Laubenhäuschen und Wohnwagen oder in der nie erlöschenden Helligkeit des Mediengeschäfts - immer überredet ein unbekanntes Etwas sie, mit ihrem Leben aufs Ganze zu gehen, immer zieht es sie zum Kontrollverlust. Was finden sie dort? Schrecken und Hoffnungen, denen sie noch nie begegnet sind, eine andere Art zu leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.1999

Niemand kann sagen, er wäre nicht gewarnt! Denn wenn man Ulrich Rüdenauer Glauben schenken kann, verlangt Georg Klein mit seinen Erzählungen dem Leser einiges an Arbeit ab, genauer: Dechiffrierarbeit. Die Geschichten handeln von Zeichen, Codes und Botschaften, ihrer Entdeckung, Entschlüsselung und Deutung, ohne dass man den Geheimnissen dieser Erzählungen tatsächlich auf den Grund gehen könnte. Was aber das Faszinierende dieses "brillianten Schriftstellers" ausmacht, ist, so Rüdenauer, dass man sich selbst als Leser erfährt - wie ein Besucher der "Galerie für Nichts": "Man sucht nach Stimulation und wird gleichzeitig vom Beobachter zum Beobachteten - durchschaut und in seiner Gier nach Sensation entlarvt."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.10.1999

Auf eine geradezu liebevolle Art und Weise bespricht Kolja Mensing diesen Band, und das, obwohl ihm die Geschichten zum Teil als eine Art Vorstudien zu dem Buch "Libidissi" des Autors erscheinen. Das tut seinem Gesamturteil allerdings keinen Abbruch. Die von Mensing beschriebene Empfindsamkeit, mit der der Autor von Gefühlen erzählt, "die aus den Schnittstellen der so genannten Informationsgesellschaft hervorsickern", scheint sich auf den Rezensenten geradezu zu übertragen. Mensing schwärmt von Kleins Ton, der bisweilen "grausam und zärtlich zugleich" sei, und von seinem oftmals recht altertümlich anmutenden, poetischen Schreibstil. Dass Klein seine morbiden Maschinen- und Männerwelten nicht in kalter Science-Fiction-Manier gezeichnet hat, ist für ihn der Hauptgrund, dass man diesen Band "nicht aus der Hand legen" kann. Eine äußerst vielversprechende Ankündigung für den nächsten Roman Kleins ist dieses Buch, findet Mensing.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999

In einer verzückten Kritik feiert Burkhard Müller Georg Klein als eine Entdeckung der deutschen Literatur der letzten Jahre: Mit Klein, der mit "Libidissi" vor einem Jahr einen großen Kritikererfolg hatte, sei etwas Neues in die deutsche Literatur getreten. Klein sei einer, der nicht auf so banale Mittel wie Metaphorik zurückgreifen müsse, in der nur ein Ding herangezogen wird, um ein anderes zu bebildern. Er schaffe alles aus der Sprache, meint Müller, ohne zu erklären, wie das ohne Metaphern gehen soll und was ihn da eigentlich von anderen Schriftstellern unterscheidet. Zwölf Ich-Erzählungen, also über zwölf Männer. Erzählungen über Künstler, die blaue Farbe und Küchenhilfen im Bundestag, in denen jeder Satz schön ist, und die Geschichte dennoch vorantreibt, eine "dissonante Leseerfahrung".
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