n "Unterwegs auf vielen Straßen" geht es um die Abenteuer eines ganzen Lebens. Aus einem alten Emigrantenkoffer, der jahrzehntelang ungeöffnet in seinem Keller lag, hat Troller mit plötzlichem Entschluß die längst vergessenen Papiere, Briefe und Fotografien herausgeholt, die in ihm schlummerten. Jetzt hören wir von seinen Kriegserlebnissen … danach von den wilden Tramp- fahrten quer durch die Neue Welt bis hinunter nach Mittelamerika … von seinen ersten Nachkriegsjahren in Paris … seinen Erfahrungen als deutscher Reporter. Wir treffen Politiker, Künstler und andere außergewöhnliche Menschen, die er vor Mikrofon und Kamera portraitieren durfte. Von Coco Chanel bis Romy Schneider, von Edith Piaf an ihrem Hochzeitstag bis zu dem Nazidarsteller Erich von Stroheim, der in Wirklichkeit der Sohn eines Wiener jüdischen Hutmachers war. Schließlich verabschiedet sich Troller hier mit einem Essay über die Kunst des Altern von seinen Lesern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2016
Was für ein Glücksfall, dass der inzwischen 95-jährige Georg Stefan Troller den im Keller seines Pariser Hauses befindlichen Koffer mit Liebesbriefen, Kriegstagebüchern und alten Fotos doch noch geöffnet hat, um daraus dieses wunderbare Buch zu machen, schwärmt Uwe Ebbinghaus. Denn in diesen Fragmenten einer Autobiografie erlebt der Kritiker den Schriftsteller und Journalisten noch einmal in Höchstform: Allein wie distanziert, kühl und zugleich "schnoddrig" Troller seine Erinnerungen an die Kriegsjahre, etwa an das nach dem Krieg gesehene Grauen in Dachau, rekonstruiert, ringt dem Rezensenten höchste Anerkennung ab. Fasziniert liest Ebbinghaus aber nicht nur, wie Troller als Vernehmer von Kriegsgefangenen sein Verständnis für die Menschen entwickelt oder bei einem Besuch in Hitlers Wohnung dessen Briefpapier mitgehen lässt, sondern amüsiert sich auch mit Trollers selbstironischen Schilderungen: Wenn er etwa beschreibt, wie ihn Picasso nach einem Blumengeschenk vulgär abspeiste oder Thornton Wilder das Interview brüsk abbrach, fühlt sich der Kritiker bestens unterhalten.
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