Prosaminiaturen mit Erinnerungen an Menschen und Orte weltweit, die dem Autor Walter Kaufmann, einem der allerletzten Exil-Betroffenen und Zeitzeugen 1933-1945, lebenslang gegenwärtig geblieben sind, wie zum Beispiel die junge polnische Jüdin Miriam aus seiner Kindheit. Über fünfzig Miniaturen sind es, die in bildhafter Sprache das Leben von Menschen in besonderen Umständen schildern - da ist Enrico, das zerlumpte Kerlchen in Rio de Janeiro, und sehr im Kontrast zu ihm Glenn Gould, dem Kaufmann durch Zufall in einer Gaststätte in New Yorks Greenwich Village begegnet. Gould lädt ihn ein, zur "Church" mitzukommen, was sich aber als keine Kirche erweist, sondern als die von Musikern "The Church" genannten Columbia Recording Studios. Dort erlebt er Glenn Gould beim Einspielen Bachscher Fugen: Glücksmomente scheinen auf, wie auch anderswo im Buch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2019
Maria Frisé freut sich über die Veröffentlichung der kurzen Texte, Skizzen, Erlebnisse, Begegnungen und Porträts des Holocaust-Überlebenden und leider fast vergessenen Schriftstellers Walter Kaufmann. Kaufmanns Flexibilität und Neugier wie seine Beobachtungsgabe sind für Frisé in den Texten lebendig. Dass nichts in diesen Miniaturen nur erfunden ist, macht sie für die Rezensentin zu einer Art Biografie in Einzelteilen, die der Leser ergänzen darf und in der Nebensachen und Bedeutsames gleichermaßen Berücksichtigung finden. Kaufmanns direkte Sprache schätzt Frisé sehr.
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