George Sand

Gabriel

Ein Dialogroman
Cover: Gabriel
Reclam Verlag, Stuttgart 2022
ISBN 9783150113837
Gebunden, 176 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Elsbeth Ranke. "Die Frau! Die Frau, ich weiß nicht, weshalb Sie mir immer von der Frau anfangen. Ich jedenfalls habe nicht das Gefühl, dass meine Seele ein Geschlecht hat, wie Sie es mir so oft beweisen wollen." George Sand lebte mit Verve gegen die Konventionen ihrer Zeit an: Sie trug oft Männerkleidung, ließ sich früh scheiden und hatte Liebesbeziehungen mit Männern und Frauen. In keinem ihrer Werke hat sie sich mit Geschlechterrollen und -normen so persönlich und unkonventionell auseinandergesetzt wie in "Gabriel". Sie nannte den Text einen "Dialogroman" oder auch eine "Phantasie": Gabriel, Enkel und Alleinerbe des Fürsten von Bramante, erfährt erst als Jugendlicher, dass er eine Frau ist - der Fürst hat ihn fernab von der Welt mit nur zwei ins Geheimnis eingeweihten Bediensteten als Jungen aufwachsen lassen, damit Titel und Vermögen nicht Gabriels Cousin Astolphe zufallen. Als Gabriel sich gegen seinen Großvater auflehnt und Kontakt zu Astolphe sucht, bahnt sich eine Katastrophe an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2022

Geschlechteridentitäten: Dass dieses Thema nicht wie Kai aus der Kiste kam, sondern schon im 19. Jahrhundert in französischen Romanen seinen Platz hatte, leitet die Rezension des Romanisten Niklas Bender ein. Er hat "Gabriel" gelesen, geschrieben 1839 von Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil, bekannt unter dem männlichen Pseudonym George Sand. Die Geschichte kreist um eine junge Frau, die ihr intriganter Großvater als Junge erzieht. Als sie sich ihrer selbst bewusst wird, zieht sie mit ihrem Cousin zusammen, um in der Öffentlichkeit ein Mann zu sein, aber in den eigenen vier Wänden Gabrielle zu leben. Zwei Dinge sind für den Rezensenten besonders interessant: Zum einen, die Attraktivität, die dieser "Dialogroman" bis heute hat. Zum anderen, dass "Gabriel" von einer Frau geschrieben wurde, die im 19. Jahrhundert ihren Mann gut allein stehen konnte. Last but not least: Die Neuübersetzung von Elsbeth Ranke trifft den Ton von George Sand superb, lobt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2022

Mit Blick auf heutige Genderdebatten liest Rezensentin Hanna Engelmeier George Sands erstmals ins Deutsche übersetzten Roman. Die ihrer Zeit als rebellisch geltende Schriftstellerin Sand erzählt in diesem "Dialogroman" von Gabriel, der als Fürstenenkel geboren und in idyllischer Abgeschiedenheit als Junge erzogen wurde, um einen legitimen Nachfolger zu stellen. Als der Sprössling erfährt, dass er von der Außenwelt als weiblich wahrgenommen wird und sich ein kompliziertes Verhältnis zum Cousin bis hin zur Liebesgeschichte entpuppt, beginnt sein Ringen um Identität und Geschlechterzugehörigkeit bis ihm sein Freiheitsdrang schließlich zum Verhängnis wird, erzählt die Rezensentin ausführlich nach. Sie erkennt allerdings nur schwer die Handlung zwischen all den Dialogen. Auch wenn sich Engelmeier über die "lebendige und leichtgängige" Übersetzung von Elisabeth Ranke freut und ihr Kernthemen des Werkes heute relevanter denn je erscheinen, warnt sie davor, es für eine Modernität zu feiern, die im heutigen Kontext an Brisanz verloren haben dürfte. Stattdessen plädiert die Rezensentin dafür, das Werk im Kontext seiner "historischen Eigentümlichkeit" zu schätzen.

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