Aus dem Französischen von Hans-Joachim Hartstein. Georges Simenons Leben und Werk ist von einer Üppigkeit und einem Reichtum, von denen die allermeisten Schriftsteller heutzutage nur träumen können. Und dennoch: Trotz seines immensen literarischen Vermächtnisses, ist das Bild, das er in seinen Memoiren von sich zeichnet, nicht nur das eines Menschen, der das Leben in seiner ganzen Fülle erleben wollte, und eines manischen Schriftstellers, sondern auch das eines Familienvaters, dem seine Kinder das Wichtigste sind. Und so sind die Intimen Memoiren neben einer ergreifenden Lebensbeichte auch das schonungslose Selbstbekenntnis eines Vaters, der versucht, mit dem Selbstmord seiner Tochter ins Reine zu kommen.
Rezensent Stephan Wackwitz erkennt in Georges Simenon einen spätrömischen Schriftsteller, was er an dessen Hang zur heroischen Selbstdarstellung ebenso festmacht wie an seinen Kriminalromanen, die eigentlich analytische Dramen der Schicksalsmacht seien. Kurz kommt Wackwitz in seiner umfangreichen Hommage auf den belgischen Autor auch auf dessen "Intime Memoiren" zu sprechen, die er als Leseerlebnis allerdings ambivalent findet. Denn hier erfährt Wackwitz zwar, wie Colette Simenons Stil formte oder unter welch schrecklichen Umständen sich seine Tochter das Leben nahm, aber der Rezensent muss sich auch durch Passagen der Frauenverachtung kämpfen, die nicht immer subtil bleiben.
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