Ein Buch wie "Tanz auf dem Vulkan. Widerständige Punk-Frauen in der DDR" ist seit 36 Jahren überfällig, denn in der Aufarbeitung der Punk-Geschichte der DDR sind die Frauen der DDR-Punkszene bisher absolut unterrepräsentiert, obwohl sie existent und sichtbar waren, obwohl sie genauso aktiv und denselben Repressionen ausgesetzt waren und denselben Widerstand leisteten wie ihre männlichen Wegbegleiter. Das wird sich nun ändern.In Interviews, Tagebuchauszügen und eigenen Beiträgen berichten 23 Frauen, u. a. Kim, Jana, Mita, China, Connie, V1, Anne, Wombel, Inka, NinA, Nancy, Sheela und Tupfer, von ihren Erfahrungen mit dem DDR-Regime, packen unausgesprochene Wahrheiten auf den Tisch und lassen tief in den Untergrund des sozialistischen Systems blicken.
Rezensent Ulrich Gutmair bewundert die "radikale Offenheit", mit dem ihm in Geralf Pochops neuem Buch von der Lebensrealität von Punks in der DDR berichtet wird. Der Autor, früher selbst Punk und Hausbesetzer, versammelt darin die Berichte mehrerer Frauen, die offen über ihre widerständige Phase sprechen und sich damit gegen victim blaming erheben. Denn von der "kollektiven Amnesie" wurden diese Schicksale verdrängt, weil sie nicht ins System passten: die Zeitzeuginnen erinnern sich an verschiedenartige Drangsalierungen von Verhaftungen mithilfe von "Gummiparagrafen", an Beleidigungen auf der Straße, an den Schutzraum Kirche, an Umerziehungsanstalten für Frauen, auch "Tripperburgen" genannt, wo nicht weniger als faschistische Zustände und (Folter-)Methoden herrschten, so Gutmair entsetzt - für ihn das "krasseste" Kapitel. Die staatliche Übergriffigkeit sei dabei bei Männern und Frauen gleich gewesen, die sexuelle gegenüber den Frauen aber häufiger, liest Gutmair. Dennoch erfährt er auch von positiven Aspekten: von einem gewissen Machtgefühl in manchen Momenten, wenn die "Lacher" und die "Intelligenz" auf Seiten der Punks waren, wie Gutmair eine der Frauen zitiert, oder auch die Anerkennung, die ihnen von Teilen der Bevölkerung für ihren Mut entgegengebracht wurde. Für den Kritiker ein erhellendes und "beeindruckendes" Buch.
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