Mit Geschichten von Christa Wolf, Sarah Kirsch, Günter de Bruyn u. a. Mit einem Vortrag von Edith Anderson und einem Essay von Carsten Gansel zur wechselvollen Entstehungsgeschichte der Anthologie. Ein Kultbuch der emanzipatorischen Literatur - spielerisch-fantastische Erzählungen über Gender in der DDREdith Andersons Idee, Autorinnen und Autoren zu Geschichten über Geschlechtertausch anzuregen, hatte ihren Ausgangspunkt in der "Ungerechtigkeit, über die eine Frau jeden Tag ihres Lebens stolpert" - auch in der DDR, die sich die Emanzipation auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Was würden die literarischen Repliken über die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit verraten? Die Funktionäre waren alarmiert: Sie sabotierten die Initiatorin mit falschen Vorwürfen, die an Rufmord grenzten. Beinahe wäre das Projekt im Keim erstickt worden. Die Anthologie aber konnte schließlich, dank der Unterstützung des Schriftstellerverbandes und nach einem fünf Jahre währenden Aufbegehren aller Beteiligten, erscheinen. Sie demonstriert eindrücklich die einzigartige, der Literatur innewohnende Kraft, wenn es darum geht, Zukunftsvisionen zu entwerfen.Das Experiment: "Versetzen Sie sich in den Körper des anderen Geschlechts!"
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.12.2024
Was für eine Entdeckung, freut sich Rezensentin Cornelia Geißler: 1975 erstmals in der DDR erschienen, verschwand diese Anthologie mit Geschichten über Geschlechtertausch von Christa Wolf, Günter der Bruyn, Sarah Kirsch und anderen aufgrund "ideologischer Bedenken" schnell wieder im Giftschrank. Der Band, herausgegeben von KP-Mitglied Edith Anderson, die verheiratet war mit Max Schroeder, dem Chef-Lektor des Aufbau-Verlages, lässt mit Geschichten, die in volkseigenen Betrieben spielen, zwar seine Herkunft erkennen, zeugt aber dennoch von verblüffender "Frische", versichert die Kritikerin, die hier etwa liest, wie Christa Wolf eine Frau in einem Institut für Geschlechterumwandlung an einem geheimen Experiment teilnehmen lässt. Großes Lob der Rezensentin gilt auch Carsten Gansel, der in seinem sorgfältig recherchierten Nachwort nicht nur über die Rolle der Frau in der DDR aufklärt, sondern auch die Entstehungsgeschichte dieses Buchprojektes erzählt.
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