Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas und Bärbel Jänicke. In den Niederlanden hat aktive Sterbehilfe zu einem gesellschaftlichen Klima geführt, in dem der Lebenswert von Kranken und Behinderten offen infrage gestellt werden kann. Gerbert van Loenen zeigt, warum: Er erläutert die historischen Debatten zur Legalisierung aktiver Sterbehilfe in den Niederlanden und spricht über die Unmöglichkeit, sie auf einwilligungsfähige Patienten zu beschränken. Er analysiert die nachgewiesenen Fälle unverlangter Sterbehilfe, etwa bei Neugeborenen, und zeigt, dass niederländische Ärzte und Angehörige besonders rasch an der Sinnhaftigkeit lebensrettender Maßnahmen zweifeln.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2014
Nina von Hardenberg findet das Buch des Niederländers Gerbert van Loenen lesenswert. Als Ergänzung der hierzulande geführten Debatte über Sterbehilfe scheint ihr der auf die Niederlande fokussierte Band auf ein wichtiges Missverständnis hinzuweisen: Sterbehilfe und Selbstbestimmung sind nicht immer dasselbe. Auch wenn es bei uns nicht darum geht, die in den Niederlanden praktizierte Sterbehilfe zuzulassen, wie die Rezensentin einräumt, scheint ihr der Autor mit seinem Blick zurück auf die Entwicklung der Sterbehilfepraxis in seinem Land Argumente freizulegen, die auch bei uns vorzufinden sind. Hilfreich findet von Hardenberg, dass van Loenen Einzelfälle genau dokumentiert und dem Leser so vor Augen führt, inwiefern aktive Sterbehilfe den Blick auf Krankheiten und den Umgang damit verändern kann.
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