Warum Ungleichheit zum Thema machen, warum Umverteilung, warum beides kombinieren? Obwohl die Verteilungsproblematik eine der großen Themendimensionen der Ökonomie darstellt, spielt sie in der wirtschaftspolitischen Diskussion der letzten Jahre eine untergeordnete Rolle. An einer mangelnden aktuellen Problemlage kann dies kaum liegen. In jüngster Zeit mehren sich aber die Zeichen, dass Ungleichheit und die Diskussion um Strategien zu ihrer Bekämpfung in der Ökonomie und angrenzenden Wissenschaften erneut zu einem großen Thema werden kann. Neben den klassischen Problemlagen - wie vor allem der oft unterstellten Unvereinbarkeit von Gleichheit und Effizienz - rücken jetzt auch die möglichen negativen Externalitäten von Ungleichheit vermehrt in den Fokus. So werden etwa zunehmend Auswirkungen auf individuelle Zufriedenheit, auf Arbeitsproduktivität, auf politische Stabilität und Rechtsempfinden thematisiert. In diesem Band werden insbesondere materielle Ungleichheit, politische und rechtliche Institutionen, die ihr Vorschub leisten, sowie der Zusammenhang zwischen verschiedenen Dimensionen von Ungleichheit und Umverteilung thematisiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2005
Aufschlussreich findet Klaus Peter Krause diesen von Anne van Aaken und Gerd Grözinger herausgegebenen Band, der sich mit Fragen der Ungleichheit und Umverteilung befasst. Wenig glücklich zeigt er sich dabei über das Ergebnis einer Untersuchung von Tatjana Mika, wonach die Deutschen für grundlegende Reformen mit mehr privater Eigenverantwortung bezogen auf die Sozial- und Beschäftigungspolitik kaum zu gewinnen sind. "Hoffnung auf eine vernünftigere Politik, wie sie geboten wäre, macht das Ergebnis jedenfalls nicht", kommentiert Krause die Untersuchung. "Auch wenn die Deutschen mit Blick auf die Risikoabsicherung Staatsgläubigkeit äußern - sie haben doch eigentlich Besseres verdient, als was sie zu wünschen für richtig halten." Wie Krause berichtet, wird der Band von allgemeinen Überlegungen Johannes Eurichs zum Thema Gerechtigkeit, Ungleichheit und die Wahrnehmung individueller Rechte eröffnet. Im weiteren erwähnt er Anne van Aakens Beitrag über Diskriminierungsverbote in höchstrichterlicher Rechtsprechung, Elke Jahns Auseinandersetzung mit der Frage, ob Leiharbeit für Arbeitslose eine Perspektive ist, sowie Elisabeth Löckeners Beitrag über Humankapital und Sozialkapital.
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