Anlässlich des 100. Jahrestages des Boxeraufstandes im Juni 2000 untersucht der Verfasser die langlebigen Mythen über westlichen Heroismus, gelbe Gefahr und Rettung der Zivilisation auf ihren Wahrheitsgehalt. In diesem Buch wird aufgezeigt, dass die Klischees von chinesischer Aggression und Grausamkeit der wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Der Autor bedient sich dabei der umfangreichen Aufzeichnungen zweier unverdächtiger österreichischer Zeitzeugen, des damaligen österreichischen Geschäftsträgers in Peking Arthur von Rosthorn, und seiner Frau Paula. Zu einer Zeit, als der am chinesischen Hof akkreditierte Botschafter Baron von Czikann, wie von Karl Kraus in der Fackel bissig vermerkt, bei Meißl und Schaden ahnungslos sein Rindfleisch aß, kämpften sein Stellvertreter und dessen Gattin auf den Barrikaden um ihr nacktes Leben. Dennoch bewahrten sie einen kühlen Blick auf das, was rundherum geschah und vermerkten keine Famas sondern Fakten.
Thomas Morlang macht einleitend darauf aufmerksam, dass in China die Wunden der Niederschlagung des Boxeraufstands durch westliche Truppen bis heute nicht verheilt sind. Dies habe sich zuletzt bei der Heiligsprechung der damals ermordeten "Missionare und Gläubigen" durch den Papst im Oktober 2000 gezeigt. Dass China sich nicht ohne Grund so empfindlich zeigt, wird seiner Ansicht nach in diesem Buch deutlich. Denn Kaminski zeige hier - vor allem durch die Auswertung von Erinnerungen des österreichischen Legationssekretärs Arthur Rosthorn -welche "Arroganz und Ignoranz" der Westen China gegenüber damals an den Tag gelegt hat. Diese Arroganz hat Rosthorn, - wie der Leser erfährt - deutlich erkannt, und anders als seine Kollegen war er in der Lage, auch viel Verständnis für die Chinesen aufzubringen. "Minutiös" hat Kaminiski nun, wie Morlang betont, die frühe "Boxerbewegung und die 55-tägige Belagerung des Pekinger Gesandtschaftsviertels" mit Rosthorn als "Kronzeuge" beschrieben.
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