Seit zehn Jahren ist die selbständige Ukraine ein gewichtiger Machtfaktor im Osten Europas. Dennoch erscheint bislang weder die innen- noch die außenpolitische Orientierung eines der größten Länder Europas eindeutig geklärt. Diplomatisch strebt die Ukraine nach Westen, im Innern bleibt die Westorientierung dagegen weitgehend Rhetorik. Ein Jahrzehnt nach der Unabhängigkeit der Ukraine zieht dieses Buch Resümee: Die Autoren untersuchen die Entstehungsbedingungen der ukrainischen Unabhängigkeit, die Verfassungsorgane und ihr labiles Zusammenwirken. Weitere Schwerpunkte sind die Schwäche der zivilen Gesellschaft, Regionalismus, die Kirchen und der Umbau der Wirtschaft sowie das Ringen um eine außenpolitische Standortbestimmung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2002
Recht gelungen findet Rezensentin Anette Bingemer den von Gerhard Simon herausgegebenen, "sorgfältig" aufgemachten Band über die "neue Ukraine". Ukrainische, britische und deutsche Wissenschafter, berichtet Bingemer, informieren darin in "kenntnisreich geschriebenen" Beiträgen über das großes Spektrum von Aufgaben, die der junge Staat seit seiner Unabhängigkeit im Herbst 1991 zu meistern hatte - so werden die Neuformulierung der Bildungsstoffe, die Förderung des Ukrainischen als Staatssprache und die alltägliche Gestaltung der Politik nach den Regeln einer verfassungsdemokratischen Grundordnung ebenso thematisiert wie die Integration der Wirtschaft in den Weltmarkt und die neue Außenorientierung des Staates. Bingemer lobt insbesondere die "aussagekräftigen Tabellen" und die "reichen Literaturhinweise" mit Quellen in russischer und ukrainischer Sprache. Dass der Überblick schon im Mai 2001 endet, ist für die Rezensentin "kein großes Manko", da man mit Hilfe dieses "Nachschlagewerkes" die bisherige Entwicklung gut selber weiterverfolgen und einschätzen könne.
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