Das Theater entzückt, erregt, es langweilt und peinigt uns seit mehr als 2500 Jahren. Seit Lessing wird es begleitet von der "öffentlichen Darlegung einer scheinbar nur privaten Meinung" - der Theaterkritik. Gerhard Stadelmaier, Theaterkritiker für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, zählt seit mehr als zwanzig Jahren zu den maßgeblichen Vertretern dieser Zunft. Seine heftigen Auseinandersetzungen etwa mit dem "Stückezerstörungstheater" a la Frank Castorf bestimmen Stadelmaiers Arbeit als Kritiker genauso wie die Zuneigung zu seinen Regie-Favoriten Andrea Breth, Luc Bondy oder Patrice Chereau.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.09.2010
Theaterkritik hat's schwer, für Burkhard Müller gehört sie zu den allzu schnell welkenden Künsten. Da mit Gerhard Stadelmaier nun einer der bekanntesten Theaterkritiker eine Sammlung seiner schönsten Besprechungen aus dreißig Jahren vorlegt, horcht Müller auf. Allein die Fragen bleiben offen. Nicht so schlimm, dass der Autor sich selbst mehr als das Bühnengeschehen ins Rampenlicht rückt, auch findet Müller viel Wahres, über das Regietheater etwa und die Begeisterung im Publikum ("S'isch ärrägend, nit?"), unter all dem, was der konservative Kritiker so klug und gern auch polemisch benennt. Nur: Wie ermüdend ist die serielle Kritik längst ausgespielter Stücke und sei sie noch so scharfsichtig und kenntnisreich! Müller lässt keinen Zweifel: Selbst die rührende Ergriffenheit des Kritikers angesichts eines gelungenen Abends kann für den Leser kaum von Bedeutung sein, ist die Zeitung erst von vorgestern.
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