Aus dem Französischen und Italienischen übersetzt von Walo von Fellenberg. Herausgegeben von Jole de Sanna. Der metaphysische wie theatralische Maler De Chrico führt in seinen Gedanken des Herrn Dudron wie ein Regisseur durch einen fiktiven Film seines eigenen Lebens. Er erzählt von der Bedeutung des Himmels und der Gestirne in seinem Weltbild, erzählt von seinem Verhältnis zur Natur, seinen Landsleuten und von seiner Bewunderung für die Führerin durch die Labyrinthe seiner Kunst, er spricht von Isabella Far. Am Ende des Romans steht eine rasende Autofahrt in einem superschnellen Wagen an die oberitalienischen Seen. Es ist der Rausch der Geschwindigkeit, das Diktat der Maschine, es könnte auch für den Aufstieg und Fall der Moderne stehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.03.2001
Hansjörg Graf findet, dass der Zeitpunkt der Publikation dieses autobiografischen Essayromans "optimal" gewählt ist, da andere Werke des Malers im Deutschen vergriffen bzw. nicht vorhanden sind. Er preist das Buch als "nobel gedruckt" und begrüßt auch die den Roman begleitenden sechs Aufsätze, die verschiedene Aspekte des Werks und des Künstlers beleuchten, da ein gewisses "Basiswissen", wie er meint, bei diesem Roman unbedingt erforderlich ist. Chirico liefere eine Art "Standortbestimmung" mit diesem posthum veröffentlichten Buch und der titelgebende Monsieur Dudron sei sein Alter Ego, bemerkt der Rezensent, der auf den an Stefan George und Rudolf Borchardt erinnernden "ästhetischen Fundamentalismus" des Sprachgestus hinweist. Er lobt, dass das Buch "eine Lücke schließt", auch wenn er weiß, dass es sich bei dieser Beurteilung um einen "Gemeinplatz" handelt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2001
Der metaphysische Roman verweise stark auf den Autor und dessen Kunstverständnis, resümiert der Rezensent Andres Lepik. Erst 1998, rund sechzig Jahre nach Abschluss des teils in italienischer und teils in französischer Sprache verfassten Manuskripts, wurde der Roman als Gesamtwerk veröffentlicht, infomiert Lepik. An der nun vorliegenden deutschen Ausgabe lobt er die Abbildungen aus der Lithografieserie "Bagni misteriosi", die er für die ideale Illustration der Schmähschrift des Autors hält. Denn so in etwa interpretiert der Rezensent die Geschichte des Dudron. Sie sei eine Selbstverteidigung des Autors gegen die Kunstrichtungen der Abstraktion und des Surrealismus. Hier zeigt sich die Einseitigkeit von de Chiricos eigenen künstlerischen Anschauungen, meint Lepik. Einige seiner Passagen verleiten den Rezensenten wegen ihres "apodiktischen, verachtenden" Tonfalls und den stets wiederkehrenden Angriffen auf Künstler und Intellektuelle zu einem Vergleich mit Thomas Bernhard.
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