Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Kurt Flasch. Das "Decameron" des Giovanni Boccaccio ist eines der berühmtesten Bücher der europäischen Literatur. Viele der Novellen darin handeln von Liebe, aber Boccaccio hatte seinen eigenen Begriff davon. Anschaulich und witzig, wie sie sind, lassen sich die Novellen auch allein zur Unterhaltung lesen. Doch wer sie liest, dem werfen sich oft Fragen auf. Wie hat Boccaccio über Liebe, über Frauen und Männer gedacht? Was bedeutet insbesondere die seltsame Schlussnovelle? Sie handelt von Griselda; die sich von ihrem Mann auf die merkwürdigste Weise alles gefallen lässt. Von dieser Schlusserzählung her erscheint das ganze "Decameron" in einem neuen Licht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2013
Nach der Lektüre der elf von Kurt Flasch ausgewählten und neu veröffentlichten "Liebesgeschichten aus dem Decameron" des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio ist Rezensent Karlheinz Stierle ein wenig enttäuscht. Bei aller Passion, die Flasch der Auswahl der Novellen, die sich die vornehme florentinische Gesellschaft hier erzählt, angedeihen lässt, muss der Kritiker feststellen, dass hier leider nicht die beispielhaftesten Texte Boccaccios ausgesucht wurden: Vielmehr findet er eine nach ideologischen Aspekten zusammengetragene Sammlung von eher unbekannten Novellen, welche vor allem Boccaccios Kritik an Klerus und Kirche und seine Verteidigung weiblicher Selbstbestimmung betonen, während die Erzählkunst des Dichters vernachlässigt wird, so Stierle. Auch mit Flaschs Übersetzung kann sich der Rezensent nicht ganz anfreunden. Der kraftvolle Ausdruck, den Flasch wählt, erscheint ihm im Hinblick auf die "urbanen" Gespräche des Decameron nicht allzu passend. Auch über das Nachwort des Herausgebers hat sich der Kritiker stellenweise geärgert, dennoch empfiehlt er dieses Buch zumindest als Möglichkeit, einen bisher wenig rezipierten Aspekt der Dichtung Boccaccios zu entdecken.
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