Seit der Antike ist das Verhältnis von Macht und Religion im Leben des römischen Kaisers Konstantin umstritten. Die Biografie von Klaus Rosen befragt dazu die griechische und römische Überlieferung. Zugleich bietet sie eine Geschichte des Römischen Reiches im 4. Jahrhundert. Klaus Rosen analysiert durchgehend die umfangreiche Überlieferung und räumt mit mancher eingefahrenen Vorstellung auf, die über dem Christen Konstantin vergaß, dass er bis zum Ende seines Lebens der Machtpolitiker blieb, als der er angetreten war. Selbst der Christ schreckte nicht vor brutalen Mitteln zurück, wenn seine Macht bedroht war. In der Politik und auf dem Schlachtfeld musste er kaum eine Niederlage einstecken. Doch scheiterte er so manches Mal, wenn er nach der "Konstantinischen Wende" seinen Willen im neuen Verhältnis von Kirche und Staat durchzusetzen suchte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013
Als eindrucksvolles Alterswert bezeichnet Uwe Walter das Buch des Bonner Althistorikers Klaus Rosen. Der Emeritus hat Muße, stellt Walter fest, und das ist von Vorteil. Zum einen, da sich der Autor so der komplexen dynastischen Geschichte der konstantinischen Familie annehmen kann, zum anderen, weil er das Monstrum der Forschung gleich mal links liegen zu lassen und sich ganz auf die Quellen zu konzentrieren vermag. Wenn Rosen dazu noch einen Begriff von Kontingenz ins Spiel bringt, der als "pfadabhängige Rationalität" so manche Wende des Kaisers zu erklären hilft, besonders die zum Christentum, ist Walter überzeugt. Der Weg dorthin, das gibt er allerdings zu, ist kein leichter, keiner jedenfalls, der ohne Konzentration auf Leserseite zu erreichen wäre, auch wenn der Autor noch so klar und stilistisch makellos schreibt.
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