Nach 15 Jahren kehrt ein Mann in seine Heimatstadt zurück, zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luca. Mit den Erinnerungen der Kindheit steigt auch die Beklemmung wieder hoch, die ihn damals aus der Stadt trieb, der Sumpfstampfergeist der Einheimischen, der ihn schon früh auf den Gedanken brachte, öffentlich ein halbes Dutzend Vorgesetzte zu ohrfeigen. Ihm wird klar, dass er mit einem ganz anderen Ziel nach Hause kam. "Kippzustand" ist ein Faustschlag auf den Tisch, das impulsive Abkanzeln einer restlos angepassten Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2003
Beatrice Eichmann-Leutenegger bleibt trotz einiger positiver Anmerkungen skeptisch, was diese Erzählung von Giuseppe Gracia angeht. Der Ich-Erzähler erzähle in Erinnerung an seinen Freund Luca, der sich in der Ausbildung nach einem ungerechtfertigten Rausschmiss durch seinen Chef umbringt. Dabei bediene er sich sprachlich einer "entwaffnenden Frische und Unbekümmertheit", wie die Rezensentin feststellt, doch bleibe letztlich die Rhetorik für den Autor wichtiger als das reine Erzählen. Im Zusammenhang mit der Geschichte Lucas beschreibe Gracia hervorragend die Situation zwischen den Gastarbeitern der ersten Generation und den Schweizern sowie die Lebensumstände der Erstgenannten. Dennoch treibe der Erzähler seine Geschichte durch Albträume und Mordphantasien den Mächtigen und den Kleinbürgern gegenüber voran, was für die Erzählung nach Ansicht der Rezensentin nicht unbedingt von Vorteil ist.
In dem Roman von Guiseppe Garcia liest Robert Hodonyi den "wohl unappetitlichsten Amoklauf der Schweizer Literatur", begangen mit Besteck von einem in der Schweiz aufgewachsenen "Gastarbeiter"-Kind namens Luca in einem Restaurant der Provinzstadt Furtnau. Der Erzähler, den Hodonyi mit dem Autor gleichsetzt, ist ein Freund des Amokläufers mit dem gleichen Hintergrund und spürt der Tat des Kindheitsfreundes nach, immer mit der latenten Drohung, diese zu wiederholen. Stilistisch ist der innere Monolog des Erzählers laut Hodonyi der so genannten Kanak-Literatur zuzurechnen und das nicht zufällig: "Luca und der Erzähler stehen für eine Generation, die mit den "Heimwehgesichtern" ihrer Eltern ebenso wenig anfangen können wie mit dem provinziellen Milieu ihrer neuen Heimat." Was hält aber diese Deplazierten davon ab, in ihrem Unglück aggressiv zu werden, fragt der Rezensent und meint: "Gar nichts hält uns davon ab, würde ihm Garcia wohl antworten."
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