Gore Vidal

Das goldene Zeitalter

Roman
Cover: Das goldene Zeitalter
Albrecht Knaus Verlag, München 2001
ISBN 9783813501810
Gebunden, 571 Seiten, 27,61 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Silvia Morawetz. Gore Vidals Roman schildert das politische und kulturelle Lebens in den Staaten von 1939 bis 1954, als zwei epochale Ereignisse - Zweiter Weltkrieg und Kalter Krieg - das Selbstverständnis der USA von Grund auf veränderten. Die vom Isolationismus geprägte Republik mutierte zu einem die Welt beherrschenden Imperium. Kritische und klarsichtige Zeugen dieser Wandlung sind in diesem Roman Caroline Sanford, ehemalige Hollywood-Produzentin und Zeitungsverlegerin in Washington, D.C., und ihr Neffe Peter Sanford, Verleger des unabhängigen Intelligenzblattes "The American Idea"...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2002

Ein wahres Loblied stimmt Stefan Dornuf auf das Werk "dieses herausragenden Schriftstellers" an. "Virtuos" verknüpft Vidal in seinem Roman, der zwischen 1939 und 1954 spielt, aberdutzende von fiktiven und realen Personen zu einer Erzählung das Amerika jener Zeit, die nicht immer mit der offiziellen Lesart übereinstimmt. So weiß im Roman Präsident Roosevelt vom bevorstehenden Angriff auf Pearl Harbor, nimmt ihn aber in Kauf, um seinen 'New Deal' durch "massive Aufrüstung" zu retten, erzählt der Rezensent. Dabei muss sich Vidal nicht wie Otto Normalbürger auf Spekulationen beschränken, denn er besitzt Informationen aus "erster, maximal zweiter Hand". Sein Vater war Luftfahrtminister in Roosevelts Kabinett, Eleanor Roosevelt protegierte Gore Vidal in der Nachkriegszeit, weiß Dornuf. Doch unser Rezensent ist nicht nur vom Wissen , sondern auch vom Stil Vidals begeistert: Für ihn gewinnt Roosevelt im Roman "beinahe das Format eines Shakespeare'schen Schurken", mit "seinen geistreichen Dialog-Geplänkeln" reiche Vidal an Oscar Wilde heran, und überhaupt sei "die Hülle, in der Vidal seine bitteren Pillen serviert, durchgehend köstlich, das fein gesponnene Netz aus Intrigen von delikater Ironie". Die einzige Wolke am Horizont macht Dornuf dann auch in der unzulänglichen, manchmal fehlerhaften Übersetzung von Silvia Morawetz aus, die dazu neige, "die klassenspezifischen Nuancen und Zwischentöne einzuebnen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Günter Ohnemus beschreibt das vorliegende Buch in seiner detaillierten Kritik zwar als "schwächsten" Band von Vidals sechsbändiger amerikanischen Chronik, doch scheut er dennoch keine Mühe, um den amerikanischen Autor gegen einen deutschen Kritiker in Schutz zu nehmen. Dieser hatte Vidal Rassismus vorgeworfen und zudem moniert, der Roman, der die Zeitspanne von 1945-1950 umfasst, bestehe vornehmlich aus "Dialog". Beide Vorwürfe lässt Ohnemus nicht gelten und begründet das auch, doch er formuliert einen anderen Einwand gegen den Roman. Das Buch, so der Rezensent enttäuscht, scheitere am "schwindenden Interesse" Vidals an seinen eigenen Figuren und konzentriere sich statt dessen nur noch auf die historische Dimension der Geschehnisse. Dennoch hebt er lobend die "große Aufmerksamkeit" und die "pietätlose Ironie" hervor mit welcher der Autor insbesondere Präsident Roosevelt unter die Lupe nimmt.

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