"Tanzen Sie noch? Leiden Sie unter dem Alter? Was war das größte Unglück in Ihrem Leben? Wären Sie lieber eine Frau?" - Es ist bemerkenswert, mit welcher Ausdauer Günter Grass über sechs Jahrzehnte auf die unterschiedlichsten Fragen seiner Gesprächspartner eingegangen ist, mal mit Humor, mal kompromisslos, stets auf hohem Sprach- und Reflexionsniveau. Ob als Schriftsteller, Bildhauer oder Grafiker, ob als gelernter Sozialdemokrat, Staatsbürger mit besonderer Reputation oder Literaturnobelpreisträger, immer wieder wurde er bis an sein Lebensende wie kaum ein Zweiter "ausgefragt". Und stets nahm er in wechselnden Rollen Stellung zu ästhetischen, gesellschaftspolitischen und tagesaktuellen Problemen.
Für den Rezensenten Yannic Han Biao Federer ist der Band mit Gesprächen von Günter Grass ein aufregendes Stück Literaturgeschichte. Ob sich Grass nun als Schriftsteller oder mit politischer Stimme äußert, zur APO, zu Kiesinger, zur Wiedervereinigung, zu Danzig oder zum eigenen Werk, stets bietet sich dem Rezensenten auch ein "eindrücklicher" Blick auf die Geschichte der Intellektuellen in der BRD. Staunend über die Ausdauer und die Ausführlichkeit, mit der Grass seinem jeweiligen Gegenüber Rede und Antwort steht, Anekdoten und Geschichten erzählt oder über den eigenen Schnurrbart räsoniert, liest Federer die Dokumente mit Gewinn, auch trotz so mancher Redundanz.
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