Einer der bedeutendsten literarischen Essayisten in Deutschland legt ein Buch für krisengeplagte Zeitgenossen vor, das einen starken Trost bereithält: Es kann alles noch viel schlimmer kommen. Kaum einer beobachtet die Fallstricke von Politik und Liebe, Fortschritt und Untergang so genau und so witzig wie Günter Kunert. Im Jahr 1963 - Kunert lebte noch in der DDR - erschien sein erster Gedichtband bei Hanser. Ein halbes Jahrhundert später muss er konstatieren: Ein neues Jahrtausend ändert noch gar nichts, im Gegenteil. Ungeahnte Möglichkeiten tun sich auf, die Welt noch schneller zu ruinieren, mit wissenschaftlichem und ökonomischem Fortschritt, mit großen Worten, um die schlechte Welt schönzureden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.07.2013
Günter Kunerts "Tröstliche Katastrophen" sind so schwer bekömmlich, dass es der Rezensentin Frauke Meyer-Gosau gehörig die Leselust verdirbt. Auf knapp vierhundert Seiten hat der Autor seine Aufzeichnungen aus den Jahren 1999 bis 2011 zusammengetragen, und die verheißen seinen Zeitgenossen nichts Gutes. "Gute Nacht, Menschheit", so scheint Kunert nur noch jammern zu können, erklärt die Rezensentin, die Welt ist schlecht und wird noch schlimmer, wer sich eingehend mit der Geschichte beschäftige, könne zu gar keinem andern Schluss mehr kommen - Meyer-Gosau geht so viel "Düsternis der Weltwahrnehmung" nur noch auf die Nerven.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2013
Wer sich von Günter Kunerts Buch "Tröstliche Katastrophen" wirklich Trost erhofft, dürfte herbe enttäuscht werden, warnt Sabine Brandt. Der Dichter hat darin seine Aufzeichnungen aus den Jahren 1999 bis 2011 versammelt, in denen er viele der politisch-historischen Ereignisse jener Zeit heraufbeschwört, an die auch die Rezensentin sich noch gut erinnern kann. Brandt kommt der Blick des Autors arg hoffnungslos vor, als wollte er gerade den im Titel versprochenen Trost belächeln. Dahinter steckt aber kein "besserwisserischer Hochmut", weiß die Rezensentin. Kunert fordert nur Klarheit über unsere Gegenwart und ihre Missstände, Klarheit über die Welt, wie sie sein könnte und sollte, und Klarheit über die gewaltige Anstrengung, die der Weg von hier nach dort von jedermann einfordert, erklärt Brandt. Ob diese Klarheit tröstlich ist, wagt die Rezensentin zu bezweifeln.
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