Guillermo Rosales

Boarding Home

Cover: Boarding Home
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518223833
Gebunden, 109 Seiten, 10,80 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Christian Hansen. "Außen am Haus stand BOARDING HOME, aber ich wusste, dass es mein Grab sein würde. Es war eins jener Heime für Menschen, die das Leben aussortiert hat. Für Idioten vor allem. Manchmal aber auch für alte Leute, die von ihren Familien hier abgegeben wurden, damit sie vor Einsamkeit sterben und den Siegern nicht in die Suppe spucken."
William Figueras, ein kubanischer Schriftsteller, den die Revolution nicht gefressen, aber seiner Illusionen beraubt hat, ist auf der Flucht vor "der Kultur, der Musik, der Literatur, dem Fernsehen, den Sportereignissen, der Geschichte und der Philosophie Kubas". In der Tasche nicht mehr als seine zerlesene Ausgabe englischer Romantiker, wird er von seinen Verwandten in Miami bald nach seiner Ankunft dort ins Heim abgeschoben. Das Heim ist eine höllische Zuflucht, in der alle Opfer sind und doch jeder, so gut er kann, als Täter agiert. Kein Entrinnen scheint es zu geben, weil jenseits ihrer offenen Türen die Freiheit droht. Eines Tages erscheint Francis unter den Idioten und mit ihr die Erinnerung an menschliche Gefühle. Die beiden versuchen, die Überfahrt in die allerletzte Heimat abzubrechen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2004

Der "as" zeichnende Rezensent sieht durchaus deutliche Schwachstellen in diesem kleinen Roman von Guillermo Rosales, doch das Nachwort lässt ihn diese verzeihen. Es gehe um gescheiterte, verarmte und teils gestörte Exil-Kubaner in Amerika, deren letzte Zuflucht das titelgebende "Boarding Home" ist, von dessen Besitzer sie ausgenommen werden, ohne dadurch jedoch zu einer Solidarität untereinander zu finden. Leider fehle dem Roman jede Geschlossenheit, bemängelt der Rezensent, zumindest wenn man von der räumlichen und seelischen Enge der Charaktere einmal absieht, die als wörtliche Geschlossenheit gesehen werden mag. Das Nachwort jedoch stimmt den Rezensenten dann milde, da er dort erfährt, dass es sich bei dem Roman um "Splitter von Rosales' eigener trostloser Biografie" handelt, und somit ist er letztlich bereit, "Leerstellen und Sprünge" schlicht hinzunehmen.
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