Mit 24 Abbbildungen. Leo Trepp wächst in einer orthodoxen Familie auf, in der Schiller und Shakespeare ebenso zum Alltag gehören wie Talmud und Tora. Nach Philosophiepromotion und Rabbinerausbildung amtiert er als letzter Landesrabbiner in Oldenburg, unter den kritischen Blicken der Nationalsozialisten. Wie durch ein Wunder entkommt er in die USA. Doch schon bald beginnt er sein "unermüdliches Versöhnungswerk", wie es Karl Kardinal Lehmann nannte: Immer wieder kehrt er nach Deutschland zurück, um den Menschen jüdisches Leben näher zu bringen und Vorurteile abzubauen. Er lehrt und berät, steht im engagierten Dialog mit Kirchenvertretern und Muslimen und hilft beim Aufbau neuer jüdischer Gemeinden.
Seine Autobiographie blieb unvollendet - und so trägt seine Frau, die Autorin Gunda Trepp, die Erinnerungen zusammen, ergänzt, kommentiert und erzählt mit Liebe und Wärme von diesem tief religiösen und doch so un-orthodoxen deutsch-jüdischen Leben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.05.2019
Durch die Herausgabe einer Auswahl von autobiografischen Aufzeichnungen ihres Mannes und deren Kommentierung hat Gunda Trepp den überaus lohnenden intellektuellen Nachlass der Nachwelt zugänglich gemacht, so Simon Berninger. Sein "tiefstes Gotteserlebnis" hatte der Rabbiner in der Verzweiflung von Sachsenhausen, im eigentlich sicheren Tod und einem Überleben, gegen das alles sprach. Leo Trepp, so berichtet seine Frau, hat ein "deutscher Rabbiner" werden wollen. Er ließ sich in Berlin ausbilden, promovierte 1936 inmitten des beginnenden Unheils und ging nicht wie sein Bruder Gustav nach Palästina. Vielmehr übernahm er die jüdische Gemeinde von Oldenburg - und wurde von dort 1938 nach Sachsenhausen verschleppt. Nach dem Krieg emigrierte er in die USA, lehrte in Kalifornien als Professor für Philosophie und Geisteswissenschaften und stand verschiedenen Gemeinden vor. 1983 kehrte er zurück und unterrichtete Judaistik im Fachbereich Evangelische Theologie in Mainz. Simon Berninger zeichnet die durch das Buch von Gunda Trepp vorgegebenen intellektuelle Lebenslinie Trepps nach, insbesondere die Betonung einer auch religiösen Bedeutung der jüdischen Diaspora gegenüber Israel - und übrigens auch die der islamischen Diaspora für die Heimatländer der Muslime. "Akribisch", so der beeindruckte Rezensent, hat seine Frau das Leben dieses wahrhaft unorthodoxen Denkers nachgezeichnet. Ihr Werk sei getragen von "Bewunderung und Hochachtung", aber "ohne Sentimentalität".
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