Guntolf Herzberg, Kurt Seifert

Rudolf Bahro - Glaube an das Veränderbare

Eine Biografie
Cover: Rudolf Bahro - Glaube an das Veränderbare
Ch. Links Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783861532705
Gebunden, 656 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Rudolf Bahro ist ein Philosoph, der aus der Enge der DDR heraus radikal systemkritisch sowie global und ökologisch gedacht hat. Bekannt wurde er 1977 durch sein Buch "Die Alternative", eine Abrechnung mit dem System der "organisierten Verantwortungslosigkeit" im "realexistierenden Sozialismus", für die er ins Gefängnis nach Bautzen kam. Nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik entwickelte sich Bahro zu einem Vordenker der Öko- und Friedensbewegung sowie zum fundamentalen Kritiker einer Arbeits- und Lebensweise, die nach seiner Auffassung die Menschheit immer schneller an den Rand des Abgrunds führt. Die Biografie zeigt Rudolf Bahro nicht nur als politischen Akteur und als Wissenschaftler, sondern beleuchtet auch seine Lebensweise und seine vielfältigen, oft konfliktreichen persönlichen Beziehungen. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.04.2003

Klaus Hartung zeigt sich von dieser Biografie äußerst angetan. Zwar gelinge es den Autoren nicht, das "Rätselhafte" der Persönlichkeit Bahros aufzulösen, aber damit werden sie ihm durchaus gerecht, so der Rezensent. Er hält die "Paradoxien" Bahros, wo sich "Hellsicht" und "Blindheit" mischten, für dessen Charakter bestimmend und sieht diese Widersprüche in der Biografie auch überzeugend dargelegt. Insbesondere den Abschnitt über Jugend und Freundeskreis in der DDR von Herzberg preist er als den "gewichtigsten Teil" der Lebensbeschreibung. Als besonderes Verdienst des Autors lobt er, dass dieser die "Zweideutigkeit" von Bahros Verhältnis zum DDR-Staat beschreibt anstatt sie "wegzudeuten". Insgesamt lobt Hartung das Buch als "material- und zitatenreiches" Werk, das nicht nur ein erhellendes Licht auf den "revolutionären Denker" Bahro, sondern gleichzeitig auf ein Stück "deutsch-deutsche Geschichte" wirft.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.03.2003

Manfred Kriener schwelgt in Anerkennung. Lob spendet er den Biografen Guntolf Herzberg und Kurt Seifert und offene Bewunderung äußert er für den Philosophen Rudolf Bahro. Das umfangreiche Werk über Bahro besteche vor allem in seinem ersten und älteren Abschnitt, die Autoren hätten "tief gegraben" und die "DDR-Zeit Bahros präzise aufbereitet". Teilweise liest sich die Biografie wie ein "Kriminalroman", so Kriener, bleibe es doch weiterhin ein Rätsel, wie Bahro es schaffen konnte, "unter den Augen der Stasi seine Abrechnung mit dem Realsozialismus zu schreiben." Trotz aller Sympathien der Autoren für Bahro findet Kriener ihre Darstellung nie verklärend, stattdessen offenbarten sie schonungslos auch die "dunkle Seite des Philosophen und Romantikers". Das 650-seitige Buch über Bahro liest sich überaus "spannend" und enthält viele "fast unbekannte" Details aus seinem Leben, wie beispielsweise den neunseitigen Protestbrief, den Bahro 1967 an Ulbricht schrieb und in dem er "völlig ungeschützt" das 'feige Zurückweichen selbst vor harmlosen Auseinandersetzungen' geißelte, zitiert ein begeisterter Rezensent.

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