Wie zuvor in "Johannes Brahms. Wiegenlieder meiner Schmerzen" (1997) und "Johann Sebastian Bach. Philosophie der Musik" (2001) sucht der Autor auch in seinem dritten musikphilosophischen Werk nach Möglichkeiten, nachvollziehbar und begründet über Musik als Ausdruck von Gefühlen zu reden. Anders als in musikwissenschaftlichen Abhandlungen üblich, wird dabei immer von subjektiven Hörerfahrungen ausgegangen. Durch wissenschaftliche Formanalyse, aber gleichwertig auch die ausführliche Untersuchung von Tonträgereinspielungen werden sie kontrolliert. Methodische Eigenart des Autors ist allerdings der vergleichende Blick darauf, wie in Kunst oder Philosophie mit Gefühlen umgegangen wurde. Stand für Brahms die Literatur des poetischen Realismus und für Bach die niederländische Malerei im Zentrum, so werden jetzt die Konzeptionen des Schönen untersucht, innerhalb derer sich Mozart bewegt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2007
Ach, was hätte das für ein Buch sein können, wenn ihm eine CD im MP3-Format beigelegen hätte! Jan Assmann verdrückt eine Träne - zuviel verlangt. Aber auch in nicht digitalisierter, unverlinkter Form und ohne korrespondierende Musikdatei kann Assmann dem Buch etwas abgewinnen. Mozart-Kenntnisse braucht es allerdings schon, wenn auch nicht gleich den gesamten Mozart im Kopf, wie bei der vom Rezensenten erträumten Cyberfassung. Entsprechend gerüstet zieht Assmann los, um Gustav Falke auf dem erkenntnisreichen, mit Zitaten gepflasterten Weg zu Mozarts Geheimnis zu folgen, über die Erörterung des Schönen, der guten Affekte, der fruchtbaren Auseinandersetzung mit Christentum und Antike. Schwer gefordert von den "subtilen" Einsichten des Autors in Phrasierung, Metrik und Gestalt von Mozarts Musik und den angebotenen Interpretationsbeispielen ("wie soll man das nachvollziehen?"), letztlich aber reichlich beschenkt durch Falkes "präzise wie suggestive" Sprachmächtigkeit, schließt der Rezensent das Buch.
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