"Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden." (Artikel 4 Absatz 3 des Deutschen Grundgesetzes) Keine 10 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg begriff sich die Bundesrepublik Deutschland wieder als militärische Kraft. Die 1956 neu gegründete Bundeswehr verpflichtete Generationen junger Männer zum Dienst an der Waffe. Das Grundgesetz sah vor, dass man aufgrund von Gewissensnöten den Wehrdienst verweigern konnte, aber noch zu Zeiten von Willy Brandts Kanzlerschaft galt die Kriegsdienstverweigerung als systemzersetzend. Unter großem Druck und vielen Demütigungen musste die Gewissensnot bewiesen werden. Vor Gutachtern, denen die Bundeswehr mehr galt, als das Wohl der Rekruten. Einer dieser jungen Männer war Hermann Brinkmann, ein überzeugter Pazifist, der 1973 eingezogen wurde. Vergeblich wehrte er sich gegen seinen Einberufungsbefehl. Während der Grundausbildung nahm er sich das Leben …Hannah Brinkmann arbeitet in ihrem für den Leibinger-Preis nominierten Debüt "Gegen mein Gewissen" das Schicksal ihres Onkels auf, das in den 1970ern bundesweit Schlagzeilen machte und eine Debatte über die Rechtmäßigkeit der Gewissensprüfung auslöste.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.01.2021
Sehr beeindruckt liest Rezensent Alex Rühle diese Graphic Novel über eine wahre und sehr deutsche Geschichte. Hannah Brinkmann erzählt hier von ihrem Onkel, der sich in den frühen Siebzigern umbrachte, weil er von der Bundeswehr nicht als Wehrdienstverweigerer anerkannt und deshalb schikaniert wurde - er hatte bei der Verweigerung den prinzipienfestesten und schwierigsten Weg gewählt, so Rühle. Die Zeichnerin und Autorin macht es sich auch nicht leicht, verschränkt mehrere Zeitebenen, arbeitet zugleich ein privates Trauma in der Familie und ein Stück Zeitgeschichte auf, in der die Bundesrepublik als eine Zeit "reaktionären Miefs" erscheint, lesen wir. Die Zeichnungen nähern sich dem Fotorealismus, und schaffen eine bedrückende Atmosphäre, so Rühle, der nur bei der Figurenzeichnung eine kleine Einschränkung macht. Rühle empfiehlt den Band als "Pflichtlektüre für Leistungskurse Geschichte/Sozialkunde".
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