Seit der Entstehung der #MeToo-Bewegung im Jahr 2017 ist das Phänomen der sexuellen Belästigung und Gewalt erneut in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Weitgehend verschwunden aus dem öffentlichen Gedächtnis ist dagegen der jahrzehntelange Aktivismus der Neuen Frauenbewegung, die seit den 1970er Jahren männliche Gewalt gegen Frauen skandalisierte. Gegen massive Widerstände prangerten diese Aktivistinnen Vergewaltigungsmythen an, gründeten Beratungsstellen und setzten sich unermüdlich für eine Reform des Sexualstrafrechts ein. Doch erst 1997, später als in anderen europäischen Ländern, wurde der Vergewaltigungsparagraf in der Bundesrepublik schließlich reformiert.Dieses Buch rekonstruiert die jahrzehntelangen Kämpfe von Feministinnen und zeigt auf, wie sich durch sie der Blick von Öffentlichkeit, Wissenschaft und Recht auf das Problem der sexuellen Gewalt fundamental veränderte. Dabei geht es auch der Bedeutung sozialer Bewegungen und ihres Verhältnisses zum Staat nach und wirft ein neues Licht auf die Rolle von Frauen als politische Akteurinnen in der Geschichte der Bundesrepublik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2025
Rezensentin Petra Gehring liest das Buch der Zeithistorikerin Hannah Catherine Davies mit Spannung. Wie stellt sich die Überwindung einer rein männlich geprägten Strafrechtsreform in den 1960ern im Hinblick auf den Umgang mit sexueller Gewalt aus heutiger Sicht dar. Wenngleich keine reine Erfolgsgeschichte vermag der Band laut Gehring zu belegen, wie autonome Feministinnen mit Nottelefonen und Frauenhäusern mithalfen, Vergewaltigung nicht mehr nur als "Notzucht" zu verstehen. Wie Davies die entsprechenden rechtspolitischen und juristischen Diskurse nachvollzieht, zitatreich und spannend wie ein Krimi, scheint Gehring lesenswert, auch wenn die Autorin die biopolitische Dimension des Themas zu wenig beleuchtet, wie sie findet.
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