"Ich bin noch nicht alt, ich habe noch Zeit. Ich brauche nur Luft, Luft und Abstand, ich muss die Dinge ordnen, und das kann ich jetzt. Je weiter ich laufe, desto klarer sehe ich." In einer Ferienhütte im Bayerischen Wald trauert Henriette um ihr ungeborenes Kind. Als draußen die Schatten länger werden und die Tage kürzer, bringt ein Freund ungeahntes Unheil mit sich. Hannah Lühmann seziert die Träume und Ängste einer Generation um die dreißig, die alles zu haben scheint, aber der sich das Glück doch immer entzieht.
Man hätte mehr machen können aus dem Stoff von Hannah Lühmanns Debütroman, findet Rezensentin Sophia Zessnik. Ganz im Zeichen der Chancen und Nöte der Generation Y, so Zessnik, erzählt er von der ungefähr 30-jährigen Henriette, die durch eine Auszeit im Bayerischen Wald versucht, nach einer Abtreibung ihrer generellen Antriebs- und Orientierungslosigkeit zu entkommen. Dabei weist die Protagonistin mehrere Ähnlichkeiten zur Autorin auf, weiß Zessnik - neben dem Schwangerschaftsabbruch auch ein geisteswissenschaftliches Studium -, aber trotzdem bleibt die Figur "schablonenhaft", so die verwunderte Kritikerin. Wenn man sich nicht gerade mit Henriette identifizieren kann, bestätigt dieses Buch somit wohl nur Vorurteile gegenüber der Generation Y, vermutet sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.10.2021
Hannah Lühmanns Debütroman weckt bei Rezensentin Sophie Vorgrimler gemischte Gefühle. So findet sie die Geschichte um eine junge Frau, die nach einem Schwangerschaftsabbruch mit ihrer Dissertation über Werwolferzählungen und ihrer besten Freundin aus Berlin in den Bayerischen Wald flieht, in Teilen "erschütternd". Weniger Sympathie hegt sie scheinbar gegenüber dem endlosen "Grübeln" als Dauerzustand der Generation Y; den inneren Monolog der Protagonistin, der den Roman ausmacht, bezeichnet sie als "schonungslos wehleidig". Ein echtes Interesse für die Figuren und dafür, wer von ihnen nun mehr Werwolf ist, kann die Kritikerin nicht entwickeln.
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