"Der Grabstein war umgefallen."Das ist die unerhörte Begebenheit, mit der sich Paula konfrontiert sieht. Es ist nämlich nicht irgendein Grabstein, sondern der ihrer Mutter. Also setzt sie sich darauf und bleibt nicht lange allein, ein merkwürdiger Fremder erscheint. Ihm erzählt sie Geschichten aus ihrem Leben und von ihrer Mutter, die wahr oder gelogen sind. Oder beides. Fast täglich trifft sie ihn auf dem Friedhof und einem Spinnennetz gleich legen sich Erinnerungen, eigene und fremde Geschichten über sie. Die Realität kommt ihr zunehmend abhanden, doch gelangt sie damit in einen heiteren, manchmal verzweifelten Schwebezustand, der alles möglich werden läßt, selbst eine männliche Pygmalion- Figur. So dass am Ende der "Große Schwarze Akt" (ein Gemälde von Jean Fautrier) ins Licht tritt, der Grabstein wieder aufgerichtet ist und auf dem Friedhof Frieden herrscht. Zumindest für den Augenblick.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2008
Ein Friedhof als literarischer Ort? Beate Tröger ist so furchtlos, sich darauf einzulassen. Dass sie auch nicht davor zurückscheut, sich auf die Ununterscheidbarkeit von Erfahrung und Vorstellung in diesem Roman von Hanne Kulessa einzulassen, wird reich belohnt. Äußerst reizvoll und witzig erscheint der Rezensentin bald, wie die Autorin hier eine Familiengeschichte aus den 50er und 60er Jahren unter der Prämisse des Lügenzwangs ihrer Heldin entfaltet. Die planmäßige Überlagerung von Dichtung und Wahrheit, noch gesteigert, wie Tröger anführt, durch die Erfahrungen der Figur als Übersetzerin englischer Schauerromane, wirkt auf die Rezensentin zudem ganz und gar nicht unplausibel. Dass sich der Text auch ganz gut ohne Blick auf seine erzählerische Ausgeklügeltheit lesen lässt, zeugt für Tröger von der "entspannten Überlegenheit" der Autorin.
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