Von blühenden Landschaften im Osten und einer Angleichung der Lebensverhältnisse im gesamten Deutschland sind wir weit entfernt. Eine selbsttragende Wirtschaft in den neuen Ländern ist nicht in Sicht. Der Westen wird noch über Jahre hohe Transferleistungen erbringen müssen. Woran liegt das? Sind die Ostler zu verwöhnt, zu antriebsarm und zu sehr auf staatliche Zuwendungen orientiert oder sind von der Bundespolitik grundsätzliche Fehlentscheidungen getroffen worden, die mehr auf ein erweitertes Absatzgebiet zielten denn auf eine produktive Region mit konkurrenzfähigen Unternehmen? 20 Experten aus Ost und West analysieren die entscheidenden Weichenstellungen in den vergangenen 15 Jahren und versuchen, der immer wieder emotional geführten Debatte eine auf Fakten gegründete, sachliche Bilanz entgegenzustellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.09.2005
Zwiespältig fällt Wolfgang Templins Urteil über diesen Band aus, in dem fünfzehn Jahre nach der Wiedervereinigung die ostdeutsche Lage von verschiedenen Autoren, Sozialwissenschaftlern und politischen Akteuren ausgelotet wird. Zustimmen kann er auf jeden Fall den Befunden, die sich mit der gescheiterten wirtschaftlichen und sozialen Angleichung der Lebensverhältnisse befassen, etwa von Rainer Land und Ralf Willisch. Sie beobachten eine negative Dynamik, die in Gang gesetzt wurde, seit der Aufholprozess in den Jahren 1996/97 ins Stocken geriet: Die Guten gehen weg. Auch Rolf Reißigs Erinnerung, dass von einer Kolonisierung des Osten durch den Westen keine Rede sein kann, da das bundesdeutsche System von der Mehrheit der Ostdeutschen gewollt wurde und diese Akzeptanz erst schwand, als der wirtschaftliche Erfolg ausblieb. Gar nicht einverstanden ist Templin allerdings mit den Beizrägen, die sich mit den politischen und mentalen Folgen des Vereinigungsprozesses auseinandersetzen. Hier moniert er "Einseitigkeiten und Lücken", etwa wenn Ostalgie zum neuen "Eigenbewusstsein" verklärt werde, oder wenn das ostdeutsche Wahlverhalten als zukunftsweisend dargestellt wird, ohne die populistischen Gefahren dieser Entwicklung zu sehen. Und schließlich findet Templin, dass Fremdenfeindlichkeit, Rechtsradikalismus und Geschichtsverdrängung im Osten durchaus eigene Beiträge verdient hätten.
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