Hans Blumenberg

Theorie der Lebenswelt

Cover: Theorie der Lebenswelt
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518585405
Gebunden, 200 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

Zu den heftig diskutierten Themen der zeitgenössischen Philosophie gehört die Frage nach der Lebenswelt. Oft erscheint sie als eine Welt des alltäglichen Handelns, aus der die Philosophie entspringt, ohne doch in ihr aufgehen zu können. Zum 90. Geburtstag von Hans Blumenberg präsentiert der Suhrkamp Verlag nun einen Nachlasstext, in dem der Philosoph das Problem weit radikaler fasst. Blumenberg begreift die Lebenswelt nicht als faktische Welt oder Alltagswelt, sondern als die Welt, wie sie wäre, wenn es in ihr keine unbeantworteten Fragen, keine unbefriedigten Bedürfnisse, keine ungesicherten Aussagen gäbe. In dieser Welt der Selbstverständlichkeit ist Philosophie noch nicht möglich oder nicht mehr nötig. Von Kants "Ding an sich" über die Schwarzen Löcher der Astronomen bis hin zum Zustand wunschlosen Glücks reichen Blumenbergs Vergleiche, die auf immer wieder überraschende Weise beleuchten, worin die Schwierigkeiten liegen, die Lebenswelt überhaupt zum Gegenstand von Erkenntnis zu machen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2010

Nicht gerade enthusiastisch begrüßt Rezensent Uwe Justus Wenzel diesen weiteren Band mit aus dem Nachlass zusammengestellten Texten des Philosophen Hans Blumenberg. Das liegt zum einen daran, dass diese in den siebziger Jahren entstandenen Texte sichtlich nicht in einer zur Veröffentlichung vorgesehenen Endfassung vorliegen. Zum anderen könne man, was Blumenberg hier nicht nur zur Theorie der Lebenswelt, sondern vor allem zum Zusammenhang bzw. der Unvereinbarkeit von Theorie bzw. Philosophie und den Selbstverständlichkeiten der Lebenswelt zu sagen hat, präziser und prägnanter anderswo bereits nachlesen, nämlich in Blumenbergs großer Studie "Lebenszeit und Weltzeit". Umgekehrt heißt das nun nicht, dass Wenzel Blumenbergs Thesen im großen und ganzen nicht zustimmte, wenngleich er den Denker grundsätzlich doch ein wenig zu sehr in der Schuld des Lebenswelt-Denkers Edmund Husserl sieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2010

Einen Hans Blumenberg, mit dem man reden kann, wünscht sich Dieter Thomä und ist dementsprechend ein wenig enttäuscht, dass der Herausgeber von Blumenbergs "Theorie der Lebenswelt" mit Erläuterungen spart und so hilft, Blumenberg in Stein zu meißeln. Im übrigen aber zeigt sich Thomä hocherfreut, dem unzeitgemäßen Blumenberg hier einmal mehr als Zeitgenossen zu begegnen, dessen Theorie er für fähig hält, den in den eigenen Standards erstarrten Geisteswissenschaften neues Selbstbewusstsein zu vermitteln. Obgleich er mit dem Plädoyer für Sebstbeschränkung und -erhaltung der Vernunft bereits Bekanntem begegnet, fühlt der Rezensent sich gut belehrt und unterhalten. Etwa wenn der Autor gegen den Naturzustand vorgeht und zu Verfechtern wie zu Kritikern des Fortschritts auf Abstand geht. Oder wenn er Miniaturen von Lebenswelten zeichnet und darin den Aquarienfreund und den Hippie verewigt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.07.2010

Christian Schlüter hadert mit dem Titel dieses aus dem Nachlass von Hans Blumenberg herausgegebenen Buches, das er aber ansonsten als sehr anregend und fesselnd lobt. Der Autor habe sich als einer der wenigen mit dem schwierigen, weil scheinbar "unbegrenzt aufnahmefähigen" Begriff der "Lebenswelt" auseinandergesetzt, der ansonsten bei Philosophen und Soziologen gern als "Müllschlucker fürs Unklare" missbraucht werde, so der Rezensent. Denn gerade wegen seiner Skepsis gegenüber der Theoriebildung, die, wie Schlüter meint, im bedeutendsten Text dieses Bandes zum Ausdruck kommt, sei die Wahl des Titels so unglücklich, betont der Rezensent.

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