Nirgendwo auf der Welt erfreut sich revolutionäres Pathos einer so ungebrochenen Konjunktur wie in Lateinamerika, wo es mit rhetorischer Kraftmeierei, Eros, Exotismus und Folklore eine schier unwiderstehliche Verbindung einzugehen scheint: divenhafte Diktatorengattinnen werden zu Nationalheiligen verklärt, gefallene Guerilleros genießen Popstar-Status. Die politischen Szenarien in den betreffenden Ländern ähneln einander. Volksbefreier linker und rechter Provenienz treten auf die politische Bühne, verkünden das Ende von Armut und Korruption. Einmal an die Macht geputscht oder ins Amt gewählt, werden Hoffnungsträger zu Diktatoren oder deren Bewunderer. Buchs Reiseberichte und Reportagen, Analysen und politische Kommentare erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Seine außerordentliche Beobachtungsgabe, seine intime Kenntnis der politischen Zustände und kulturellen Verfasstheit gewähren dem Leser einen privilegierten Einblick in die lateinamerikanische Realität.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2008
Mit Genuss liest Florian Borchmeyer die gesammelten Lateinamerika-Reportagen von Hans Christoph Buch. Die "desillusionierende Bestandsaufnahme" der revolutionären Bewegungen in Kuba, Chile oder Bolivien, versetzen den Rezensenten in Staunen, hat er doch den solidarischen Kuba-Jubel des Autors aus den fernen 70ern noch im Ohr. Die dem Leser aus dem Band entgegenschallende drastische Kritik an vergangenen europäischen Sichtweisen sieht Borchmeyer durch das stilistische Feingefühl des Autors bei der Dokumentation der inzwischen vollzogenen Umbrüche in Lateinamerika eindrucksvoll kontrastiert. Besonders gefallen hat dem Rezensenten Buchs von persönlichen Bezügen durchdrungene "Kurzprosa" über Haiti. Borchmeyer eröffnet sie den Blick auf die Komplexität eines Landes, das er aus der Presse nur als Katastrophengebiet kennt. Die Verbindung von Analyse, literarischer Schilderung und schwarzem Humor erscheint dem Rezensenten in den Texten gewinnbringend umgesetzt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.08.2008
Angetan zeigt sich Carlos Widmann von Hans Christoph Buchs Reportagen, Berichten, Tagebucheinträgen über Lateinamerika. Er attestiert dem weltläufigen Schriftsteller und Reporter einen "respektlosen Blick auf revolutionäre Latinos". Die bissigen Texte über die mexikanische Revolution, über sozialistisch regierte Länder wie Venezuela, Nicaragua oder Ecuador und besonders über den venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chavez machen für ihn deutlich: die Revolution hat endgültig abgewirtschaftet. Die Stärken des Buchs sieht er weniger in einem brillanten Stil oder der tiefgehenden, sachlichen Analyse. Er empfindet die Texte vielmehr als "eilig hingehämmerte Impressionen", deren Reiz für ihn in der "treffenden Anekdote", der "mutigen Verallgemeinerung" und dem "respektlosen Durchblick" liegt.
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