Hans Fallada

Lilly und ihr Sklave

Mit unveröffentlichten Erzählungen
Cover: Lilly und ihr Sklave
Aufbau Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783351038823
Gebunden, 269 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Mit einer Nachbemerkung der Gerichtsmedizinerin Johanna Preuß-Wössner und einem Nachwort des Fallada-Biografen Peter Walther. Unveröffentlichte Geschichten des Bestsellerautors entdeckt: Erzählungen aus den zwanziger Jahren. Es war der Wendepunkt, bevor er zum Bestsellerautor wurde: Hans Fallada stellte sich 1925 nach Unterschlagungen, mit denen er seine Alkohol- und Morphiumsucht finanzierte, selbst der Polizei. Eine bislang verloren geglaubte Gerichtsakte fördert nun einen unerwarteten literarischen Fund zutage - fünf Geschichten von Fallada, die selbst vor damals tabuisierten Themen nicht haltmachen: Lilly, Marie und Thilde - drei starke Frauen, die sich gegen die vorgezeichneten Lebensmuster auflehnen, während die beiden Außenseiter Pogg und Robinson auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit Zuflucht in einer Gefängniszelle suchen. Bislang gänzlich unveröffentlichte oder nur in Teilen bekannte Geschichten, die Falladas verblüffende Modernität unterstreichen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 10.07.2021

Die beiden neu entdeckten unter den fünf erschienenen Kurzgeschichten von Hans Fallada liefern keine neuen Einsichten zu Falladas Werk, bestätigen aber dessen schriftstellerisches Talent als "Gefühlschronist", meint Rezensent Christian Metz. Wie er aus den Begleittexten der Rechtsmedizinerin Johanna Preuß-Wössner und dem Fallada-Experten Peter Walther erfährt, ist der Fund der sorgfältigen Aktenführung eines literarisch interessierten Gerichtsgutachters zu verdanken. Die Geschichten erzählen, überwiegend aus weiblicher Perspektive, vom Umbruch in der "Gefühlskultur" in der Weimarer Republik; vom Bestreben, sich aus der für Frauen oft bedrohlichen Maschinerie der Triebe anders als durch die völlige Reglementierung des Körpers zu befreien - die entstehenden Dilemma-Situationen erinnern den Rezensenten an Alfred Döblin oder Irmgard Keun. In den beiden neuentdeckten Geschichten schließlich geht es um die Willkürherrschaft eines Einzelkindes und um radikale Einsamkeit. Keine "Sensationsfunde", aber "hochkonzentrierte Gefühlsfiktionen", schließt Metz.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.07.2021

Rezensent Thomas Steinfeld liest die fünf Erzählungen Hans Falladas mit Gewinn. Zwei von ihnen werden hier erstmals veröffentlicht, wie Steinfeld informiert. In den längeren Texten geht es um Missbrauch unter dem Deckmantel der Liebe, erklärt der Rezensent, der sich vor allem über Falladas Physiognomik freut, in der das Ständische mit dem Individuellen zusammentrifft. Fallada als genauer Beobachter seiner Umgebung, der wie ein gieriger Flaneur Milieus und Figuren erkundet - hier kann der Leser ihn kennenlernen, meint Steinfeld.

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